Buyers Guide: KVM-Switches – Computer mit Betriebssystemen wie Windows-2000, Windows-XP oder Windows-Server-2003 lassen sich ohne direkten Zugriff auf Tastatur, Bildschirm und Maus kaum steuern. Wer gleich mehrere solcher Systeme auf dem Schreibtisch oder im Serverraum verwalten muss, kann den Zugriff mit KVM-Switches effizienter gestalten.

KVM steht für Keyboard, Video und Maus. Geläufig ist die Bezeichnung KVM-Switch. Der KVM-Switch erlaubt es, mehrere Computer mit nur einer Tastatur, einem Bildschirm und einer Maus zu steuern; er arbeitet als Umschaltbox, die einen Satz dieser Ein-/Ausgabegeräte mit mehreren Computern verbindet. Moderne KVM-Switches erweitern diese Grundfunktionalität, indem sie auch eine gemeinsame Nutzung von USB-Geräten und Lautsprecherboxen unterstützen.
Tastatur, Bildschirm und Maus (USB-Geräte und Lautsprecher) sind am KVM-Switch statt an den einzelnen Computern angeschlossen. Die Computer wiederum sind über spezielle Anschlusskabel mit dem KVM-Switch verbunden. Die Umschaltung zu den einzelnen Computern erfolgt über Tasten oder Drehregler, bei aufwändigeren Geräten auch über bestimmte Tastenkombinationen (Hotkeys) und/oder On-Screen-Display-(OSD-)Menüs, die die zuvor konfigurierten Namen der Computer und deren Zustand (eingeschaltet, ausgeschaltet) anzeigen. Viele KVM-Switches enthalten LEDs oder LCD-Displays, die signalisieren, auf welchen Computer der Benutzer gerade zugreift.
Der KVM-Switch ist dafür verantwortlich, dass der Computer sich nicht aufhängt, wenn er plötzlich von Maus und Tastatur getrennt wird. Aber nicht alle KVM-Switches sind perfekt und gelegentlich verweigert die Maus oder die Tastatur beim Aufschalten auf einen Computer die Arbeit. Einigen KVM-Switches gefällt es nicht, wenn zuerst der Computer und danach erst der Switch eingeschaltet wird.

KVM-Switch ist nicht gleich KVM-Switch
Das Angebot an KVM-Switches ist groß und die Auswahl eines Geräts nicht immer einfach. Die Geräte unterscheiden sich in der Anzahl der Computer, die der Benutzer anschließen kann, in ihrer Größe und Bauform, darin, wie der Benutzer umschaltet und wie die zu steuernden Computer angeschlossen sind, in ihrer Reichweite, Ausbaufähigkeit sowie Sicherheit und natürlich im Preis.
Einfache KVM-Switches erlauben dem Benutzer oder Administrator, zwischen 2 und 64 Computer zu steuern. In kleinen bis mittelgroßen Umgebungen reicht ein solches Gerät oft schon. Einige KVM-Switches lassen sich zusammenschließen (kaskadieren), um eine größere Anzahl von Computern zu unterstützen. Bei einer Kaskadierung wird häufig der Ausgang eines KVM-Switches mit einem Eingang eines weiteren Switches verbunden. Einige Geräte besitzen auch spezielle Kaskadierungs-Ports.
Selten wird ein einzelner Adminstrator für mehr als 64 Computer verantwortlich sein. KVM-Switch-Hersteller sehen das auch so und bieten deshalb einige Geräte an, an die sich zwei oder mehr Arbeitsplätze anschließen lassen. So erhalten mehrere Benutzer oder Administratoren gleichzeitig Zugriff auf die angesteuerten Computer – falls gewünscht, auch auf ein und denselben Computer. Geläufige Bezeichnungen für solche KVM-Switches sind Matrix-Switch oder Multi-User-Switch.
Zur Größe und Bauform: Die einfachsten KVM-Switches haben etwa die Abmessungen eines Taschenbuchs. Der Benutzer stellt sie in bequemer Reichweite auf, um Schalter oder Tasten bedienen und die Anzeigen sehen zu können. Die billigsten Geräte dieser Art unterstützen lediglich zwei Computer und bieten weder Hotkeys noch OSD-Menüs. Noch immer arbeiten einige dieser Geräte rein mechanisch und benötigen noch nicht einmal eine Stromversorgung. In der Regel lassen sich bis zu vier Computer über einen mechanischen KVM-Switch ansteuern – was darüber hinaus geht, ist nicht mehr praktisch. Elektronisch arbeitende Auf-Tisch-Geräte unterstützen zwischen 2 und 64 Computer. Die Größe dieser Geräte ist mit modernen Netzwerk-Switches vergleichbar und von der Anzahl der anzuschließenden Computer abhängig. Die kleinsten elektronischen KVM-Switches sind inzwischen nicht mehr viel größer als eine Zigarettenschachtel; ideal, um sie irgendwo unter dem Schreibtisch zu verstecken. Natürlich kommt man dort nicht mehr an einen Umschaltknopf oder an Umschalttasten heran, weshalb solche Geräte via Hotkey und/oder OSD-Menü bedient werden. In dieser Größenordnung lassen sich KVM-Switches für vier Computer und einen Arbeitsplatz finden.
Besonders für den Einsatz in größeren Organisationen geeignet sind KVM-Switches, die sich in 19-Zoll-Schränke oder -Racks installieren lassen. Solche KVM-Switches unterstützen normalerweise zwischen 8 und 64 Computer, lassen sich durch Kaskadierung aber bis auf Tausende ansteuerbare Computer erweitern. In der Regel erlauben diese Geräte den Anschluss mehrerer Arbeitsplätze; es handelt sich also um Matrix- oder Multi-User-KVM-Switches. Obwohl einige dieser KVM-Switches eine Bedienung direkt am Gerät erlauben, beispielsweise über Tasten oder LCD-Anzeigen, und ein paar sogar eine vollständige Tastatur mit Zeigegerät und einen aufklappbaren Bildschirm eingebaut haben, erfolgt die Bedienung meistens via Hotkey und/oder OSD-Menü von entfernten Arbeitsplätzen aus.
KVM-Switches dieser Kategorie sind meistens hoch konfigurierbar. So bieten sie einen Passwortschutz für zugreifende Benutzer und erlauben dem Administrator, genau einzustellen, wer auf welche Computer wie zugreifen darf. Um die Verwaltung zu vereinfachen, können Computer in Gruppen zusammengefasst werden. Einige Geräte unterstützen eine Konfiguration, in der der KVM-Switch automatisch zwischen zuvor ausgewählten Computern umschaltet. Der KVM-Switch verweilt bei jedem Computer eine vorgegebene Anzahl von Sekunden, bevor er zum nächsten weiterschaltet. Der Benutzer oder Administrator kann diesen Vorgang jederzeit unterbrechen und sofort die Steuerung des gerade angezeigten Computers übernehmen.
Die maximale Entfernung zwischen einem zu steuernden Computer und dem KVM-Switch beträgt bei herkömmlichen KVM-Switches normalerweise maximal 20 Meter, die Entfernung zwischen einem Arbeitsplatz und dem KVM-Switch richtet sich danach, wie lang die Kabel des anzuschließenden Bildschirm, der Maus und der Tastatur sind. Einige KVM-Switch-Hersteller erhöhen diese Entfernungen durch spezielle Verstärker oder zwischengeschaltete Anschlussboxen.
KVM over TCP/IP
Virtuell ohne Entfernungsbegrenzung arbeiten KVM-Switches, die über TCP/IP arbeiten (KVM over TCP/IP). Bei dieser modernen Variante eines KVM-Switches werden Tastatur, Maus und Bildschirm des Arbeitsplatzes nicht direkt am KVM-Switch angeschlossen. Stattdessen erfolgt die Weiterleitung der Bildschirmausgabe des gesteuerten Computers und der Tastatur- und Maussignale des Arbeitsplatzes über das TCP/IP-Netzwerk. Die Steuerung am Arbeitsplatz erfolgt über eine spezielle Anschlussbox, einen Web-Browser oder über spezielle KVM-Software. Die Variante ohne Anschlussbox bietet den Vorteil, dass die Fernsteuerung von einem beliebigen Arbeitsplatz im TCP/IP-Netzwerk und sogar über das Internet durchgeführt werden kann.
Hier drängt sich nun ein Vergleich mit herkömmlicher Remote-Control-Software wie PC-Anywhere oder auch mit Windows-Terminaldiensten auf, die oberflächlich betrachtet das gleiche leisten. Aber KVM over TCP/IP ist im Gegensatz zu Remote-Control-Software nicht darauf angewiesen, dass auf dem zu steuernden Computer ein Stück Remote-Control-Software läuft. KVM over TCP/IP setzt viel weiter unten an und erlaubt beispielsweise, Änderungen der BIOS-Einstellungen der angeschlossenen Computer durchzuführen.
KVM over TCP/IP erfordert naturgemäß mehr Setup als traditionelle KVM-Switches, bei denen es in der Regel mit dem Anschließen der notwenigen Kabel bereits getan ist. Möglicherweise sind Management- oder Authentifikations-Server zu installieren und die Arbeitsplätze, die sich mit dem KVM-Switch verbinden sollen, erfordern vielleicht spezielle Software oder Web-Browser-Erweiterungen. Bei KVM over TCP/IP ist besonders auch auf den Preis zu achten, denn manchmal sind zusätzlich ein Management-Server und Lizenzen für die TCP/IP-Nutzung erforderlich, was den Preis deutlich in die Höhe treiben könnte. Dann gilt es abzuwägen, ob der Vorteil, mehrere Maschinen verbinden zu können, ohne auf dem Server zusätzliche Software (beispielsweise PC-Anywhere) installieren zu müssen, den Preis rechtfertigt.
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