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12.10.2005

SAN zum Einstecken

von Andreas Stolzenberger

Open-E-iSCSI-Enterprise – Für die Storage-Appliance Marke Eigenbau liefert Open-E ein passendes Betriebssystem mit integriertem iSCSI-Target in Form einer Flashdisk.

Es muss ja nicht immer gleich ein neues, zwei Meter hohes Rack voller Platten sein. Ein bestehender PC-Server plus ein paar Platten genügen oft, um ein angemessenes Storage-Device aufzubauen. Schwieriger wird es da schon bei dem passenden Betriebssystem für den SAN-Server. Natürlich gibt es OEM-Pakete wie den Microsoft-Storage-Server, doch der ist für viele zu wuchtig. Die Firma Open-E geht das Ganze anders an. Hier packt man einen kompletten auf Linux basierenden NAS-Filer oder auch nur ein iSCSI-Target auf eine bootfähige Flash-Disk, die sich einfach in den ersten IDE-Port eines Rechners stecken lässt. Ein Raid- oder FC-Controller adressiert die physischen Arrays, und Open-E erstellt daraus logische iSCSI-Laufwerke.

Network Computing testet in den Real-World Labs Poing die reine iSCSI-Appliance »Open-E iSCSI Enterprise«. Der Test beginnt dabei mit der Version 1.01 Build 1029 – bis zum vorläufigen Ende braucht es aber zwei Updates. Zum Schluss behebt die noch nicht endgültig freigegebene Version 1.1 Build 1160 einige von Network Computing gefundene Mängel.

Die Installation des Instant-iSCSI-Targets geht blitzschnell. Es genügt, den Flash-Stick mit 128 MByte Kapazität in den IDE-Port des Rechners einzustecken und mit Strom zu versorgen. Der Systemstart lädt einen Linux-Kern sowie die iSCSI- und Verwaltungssoftware von Open-E. Bei der Hardware unterstützt Open-E eine Reihe gängiger ATA- und SCSI-Raid-Controller sowie FC-Adapter von Qlogic und Emulex. Nach dem Systemstart zeigt der neu geschaffene iSCSI-Server die IP-Adressen der gefundenen LAN-Interfaces. Auf der Konsole kann der Verwalter zuerst direkt einige Konfigurationsänderungen vornehmen. So erkennt die Version 1.1 bei dem Intel-Testserver von Netzwork Computing nicht, dass es sich um ein SMP-Rechner handelt. Die Textkonsole erlaubt, das System manuell auf SMP umzustellen. Auch gewisse, nicht alltagstaugliche Funktionen wie »Lösche alle Volumina« versteckt Open-E in einem erweiterten Menü des Kommandointerfaces.

Das eigentliche Setup erfolgt – in guter Appliance-Manier – im Web-Browser auf der Arbeitsstation des Administrators. Natürlich gibt es hier die »üblichen verdächtigen« Konfigurationsseiten, sprich Menüs, um IP-Adressen, Zeit, Datum, NTP, Netzwerk und Administrator-Zugang zu konfigurieren. Interessant wird es erst im Volume- und Target-Manager. Hier listet das System zunächst die physisch vorhandenen Laufwerke auf. Mit Hilfe des LVM (Logical-Volume-Manager) von Linux erstellt der Systemverwalter zunächst Volume-Gruppen. Innerhalb dieser legt das Setup später logische Laufwerke an, die dann per iSCSI den angebundenen Servern zur Verfügung stehen.

Ein Teil des freien VG-Speichers lässt sich für Snapshots reservieren. Open-E erlaubt, Snapshots zeitgesteuert oder manuell auszulösen. Bislang fehlt allerdings ein Client-Tool, welches aus einem Skript auf einem Applikationsserver heraus den Snapshot auslösen kann. Snapshots sind aber nur dann brauchbar, wenn sich Applikation, Datei- und Speichersystem vorher absprechen. Hier bastelt Open-E noch an einem Tool, das zunächst über SNMP-Nachrichten vom Server aus dem Speichersystem die Anweisung für den Snapshot erteilt.

Im Test setzt Network Computing das NAS-Modul in einem Intel-OEM-Server mit zwei 2,8 GHz schnellen Xeon-CPUs und 2 GByte RAM ein. Via Qlogic-FC-Adapter 2342 greift der iSCSI-Server auf das SAN und damit auf ein »Nexsan SATA-Blade« zu. Dieses stellt zwei 1,3-TByte-Laufwerke zur Verfügung.

Während das erste Basis-Setup mit Build 1029 problemlos funktioniert, hapert es hier und da an Funktionen. So sieht ausnahmslos jeder iSCSI-Initiator im SAN alle iSCSI-Targets, welche der Open-E-Server anbietet. Nur ein Schutz per Passwort kann verhindern, dass versehentlich mehrere Initiatoren sich auf einem Target austoben und dabei dem Dateisystem den Rest geben. Erst ab Version 1.1 führt Open-E einen Filter ein, der zu jedem Target eine gültige Initiator-IP-Adresse festlegen kann. Von da an sehen die Applikations-Server nur die Targets, die sie etwas angehen.

Beide 1.0-Versionen weigern sich im Test jedoch standhaft, Snapshots zu erstellen. Erst die Version 1.1 behebt diesen Mangel. Laut Support haben die alten Versionen je nach Systemarchitektur wohl ein Problem mit der RAM-Größe. Trotzt fest eingebauter Flash-Disk lassen sich Updates übrigens sehr einfach einrichten. Es genügt, ein neues Image vom FTP-Server des Herstellers zu laden und dieses auf eine CD zu brennen. Bei einem Neustart des iSCSI-Servers fährt dieser von CD hoch und schreibt die neue Programmversion in den Stick. Die Konfiguration allerdings muss der Administrator vorher sichern – diese geht beim Update verloren –, nicht jedoch die Daten auf den Laufwerken.

Fazit:
Hier und da fehlen noch das eine oder andere und Features wie ein CLI-Client oder eine Übersicht der aktuell verbundenen Systeme. Bei Open-E scheinen die Leitungen zwischen Support und Entwicklern jedoch recht kurz zu sein, so dass Anwenderanfragen zügig in neue Systemversionen wandern.

ast@networkcomputing.de

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