Network Computing

Strippen unter der Lupe  

Von: dj

Buyer's Guide: Kabeltester – Mit dem Verkabelungssystem steht und fällt die Unternehmenskommunikation. Die beste Versicherung ist der regelmäßige Test der Strippen. Moderne Kabeltester kommen fehlerhaften Verbindungen bald auf die Spur.


Wohl kaum ein Administrator käme auf den Gedanken, eine wichtige Applikation auf einem Computer mit einer Festplatte fraglicher Qualität zu installieren, aber nur wenige IT-Profis denken darüber nach, ob die Netzwerkverkabelung, über die sie wertvolle Daten jagen, einwandfrei ist. Natürlich, der erfahrene Netzwerkprofi weiß, wie wichtig ein erstklassiges UTP- oder Glasfaser-Verkabelungssystem ist, aber ist ihm auch klar, wie schnell sich die Dinge ändern? Die meisten Unternehmen nutzen noch UTP-Kabel der Kategorie 5 – ganz einfach deshalb, weil diese Kabel schon vor längerer Zeit installiert wurden und es augenscheinlich keinen Grund gibt, sie auszutauschen. Für neue Installationen ist Kategorie 6 beziehungsweise 6E die Norm – und es existiert bereits die Spezifikation der Kategorie 7 (ISO Class F). Unabhängig von der Kategorie der Verkabelung gilt, dass selbst das beste Kabel getestet werden muss, nachdem es installiert ist.

Riesen wie Agilent Technologies und Fluke Networks stehen in der ersten Reihe der Kabeltester-Hersteller. Das Marketing beider Unternehmen betont besonders die Tatsache, dass Tests Probleme enthüllen, die sonst unbemerkt blieben. Eine UTP-Kabelstrecke, die wirklich prima aussieht, könnte eine Reihe von Problemen haben, die nur darauf warten, sich im ungeeignetsten Augenblick bemerkbar zu machen. Und je kritischer die über dieses Kabel mit dem Netzwerk verbundene Maschine, desto dramatischer die Konsequenzen.

 


Es geht um die Details
Wie die meisten Standards dreht sich auch der Kategorie-6-Verkabelungsstandard um eine Menge Technik. Gruppen wie die IEEE, die ISO und die TIA definieren die Details jedes einzelnen Kabelstandards, und UTP-Hersteller sowie Tester leisten gute Arbeit, diese Details auf eine Ebene herunterzubrechen, die auch die allgemeine IT-Bevölkerung verdauen kann. Aber Administratoren und Techniker müssen mit der Terminologie vertraut sein, um das richtige Werkzeug für den Job auswählen zu können. Neuere Kabeltester – alle für Kategorie 6 – werden als Level-III-Tester bezeichnet, während Kategorie-5-Tester unter der Bezeichnung Level II (oder IIe) geläufig sind. Der höhere Level verspricht engere Testspezifikationen und höhere Performancemessungen. Kategorie-6-Verkabelung sollte mit einem Level-III-Tester geprüft werden. Akzeptiert man weniger, sind die Resultate gegenüber dem Kategorie-6-Standard nicht mehr aussagekräftig.

Kategorie-6-Tester enthalten auch Tests vorangegangener Standards, um Rückwärtskompatibilität zu gewährleisten. So lassen sich Legacy-Kabel testen und gleichzeitig die Anforderungen aktueller High-Performance-Messungen erfüllen. Kategorie-5e-Kabeltester wurden mit dem Gedanken an Gigabit im Hinterkopf entworfen. Diese Tester decken also den Frequenzbereich 1 MHz bis 100 MHz ab. Kategorie-6-Tester unterstützen bis zu 250 MHz – kombiniert mit dem Rest der Maße, darunter das Signal-to-Noise-Verhältnis, bedeutet dies Kabel höherer Performance. Das Top-Ende von 250 MHz bedeutet, dass verglichen mit Legacy-Standards eine breitere Pipe garantiert ist.

Universell
Das Konzept des Testens der permanenten Verbindung (Permanent-Link) ist ein wichtiger Teil der Kategorie-6-Tests. Diese berücksichtigen nicht nur die horizontale Kabelstrecke, sondern auch das Verhalten der Patch-Kabel an jedem Ende. Damit wird das Bild der Ende-zu-Ende-Gesamtperformance komplett. Für die besten Resultate sollte der Tester universelle Permanent-Link-Testfähigkeiten besitzen. Das bedeutet, dass der Tester mit einem echten Kategorie-6-Anschluss funktionieren wird. Andernfalls müssen vielleicht weitere Teile, beispielsweise Adapter, gekauft werden, damit der Tester mit einem spezifischen Anschluss funktioniert.

Nimmt eine Organisation eine neue Kategorie-6-Verkabelung in Betrieb, müssen die Patch-Kabel natürlich ebenfalls der Kategorie 6 entsprechen. Das Mischen von Legacy-Patch-Kabeln mit neuer Verkabelung war schon immer ein Problem. Hier ist Vorsicht geboten.

Wissen, was gebraucht wird
Level-III-Tester müssen die Basisanforderungen des Kategorie-6-Kabelstandards erfüllen. Geht es über diese Basisanforderungen hinaus, ist darauf zu achten, wie sich die Produktfeatures der einzelnen Hersteller unterscheiden. Es ist wie beim Kauf eines neuen Autos: Wer die Standardfeatures und verschiedenen Optionen kennt, kann seine Bedürfnisse besser artikulieren.

Ist die Person, die den Tester kauft, nicht die, die später die Kabel scant, sollte ein Repräsentant des Installationsteams hinzugezogen werden, damit gemeinsam definiert wird, was ein Tester können muss, um zu einem spezifischen Setup zu passen. Dies ist auch der richtige Zeitpunkt, zu prüfen, ob das Installationsteam weiß, wie ein solcher Tester zu nutzen ist.

 


Glasfaser testen
Für Glasfaserkabel gibt es natürlich spezielle Tester. Optical-Time-Domain-Reflectometer (OTDRs) zertifizieren die Performance von Glasfaserverbindungen und entdecken Probleme. Ein solcher Tester misst die Charakteristiken der Kabel und liefert dann eine grafische Darstellung oder eine Tabelle der Resultate. Gemessen werden unter anderem der Gesamtverlust, das Segment und die Länge. Ein OTDR findet Kabelbrüche, schlechte Verbindungen oder Spleiße und enge Biegeradien.

Die Auswahl des richtigen OTDR ist allerdings nicht leicht. Viele Anbieter haben solche Tester in ihrem Sortiment, und jeder preist die hohe Performance, die schnellen Tests und die Bedienerfreundlichkeit seiner Geräte. Die Spezifikationen und Messmethoden können aber inkonsistent und verwirrend sein. Der Käufer muss nicht nur OTDR-Spezifikationen verstehen, sondern auch genau wissen, was für seine beabsichtigte Applikation wichtig ist. Viele OTDRs sind beispielsweise für Tests von Glasfaserstrecken über lange Distanzen entworfen und deshalb weniger gut geeignet für Tests und Troubleshooting lokaler Bereiche. Sind die zu testenden Kabelstrecken kurz, ist es sehr wichtig, einen OTDR mit kurzen Event-Deadzones (die kürzeste Länge Glasfaser, die ein OTDR entdecken kann) zu wählen.

Großes Augenmerk sollte auf die Bedienerfreundlichkeit des Geräts gelegt werden, damit es nicht nur von den Technikern mit der meisten Erfahrung richtig eingesetzt werden kann. Und je einfacher ein Gerät zu bedienen ist, desto schneller liefert es brauchbare Resultate. Produktivität zählt, und Zeit sollte nicht durch komplizierte Setup-Routinen verschwendet werden. Ein leicht zu erlernendes und flott arbeitendes Gerät wird sich durch höhere Produktivität bezahlt machen.
dj@networkcomputing.de

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