Network Computing

Softwareverteilung mit Web-Appeal  

Von: dj

Altiris Software Delivery Suite – Mit dieser Suite verspricht Altiris eine sichere Distribution von Applikationen und Updates über LAN und WAN. Das funktioniert auch gut, aber die meisten Administratoren haben garantiert schon schnellere Applikationen gesehen.


Die Suite ist eine auf Webtechnik basierende Programmsammlung zur Optimierung der Programmverteilung in großen Unternehmen. Sie bietet sich an für Organisationen, die noch keinen Altiris-Notification-Server im Einsatz haben. Wer bereits mit Altiris arbeitet, greift eher zur Software-Delivery-Solution, um sie dem Notification-Server hinzuzufügen. Die Suite inventarisiert Systeme unter Windows, Unix, Linux, Netware, Macintosh sowie Handhelds und Netzwerkgeräte, faßt sie in Gruppen zusammen und erlaubt dann die Verteilung von Applikationen, Updates und Patches. Network Computing testete die Suite in einem Windows-Netzwerk mit Windows-XP-Clients und Windows-2003-Servern.

Laut Altiris steht das Produkt nur als Download zur Verfügung – kein Problem. Heruntergeladen wird ein kleines Installations- und Konfigurationsprogramm, das wiederum die eigentlichen Programmdateien herunterlädt und auf Wunsch gleich entpackt und installiert.

Die Installation dauert sehr lange. Gut ist, dass das Setup-Programm vorher prüft, ob der zur Beheimatung der Suite ausgewählte Computer die System-Mindestvoraussetzungen erfüllt. Der Computer darf beispielsweise kein Domänencontroller sein. Er muss Microsoft-IIS und Microsoft-SQL-Server ausführen oder auf eine SQL-Server-Instanz zugreifen können und bestimmte Mengen Haupt- und Festplattenspeicher enthalten beziehungsweise für Altiris verfügbar haben. Installiert wird zunächst der Altiris-Notification-Server, das Herzstück aller Client-Management-Produkte von Altiris. Dem Notification-Server werden dann die Software-Delivery-Komponenten hinzugefügt.

Die Administrationswerkzeuge der Suite nutzen Web-Technik, was erklärt, warum IIS installiert sein muss. An und für sich ist die Idee nicht schlecht und liegt im Trend, allerdings dauerten der Abruf und die Anzeige der Webseiten im Test selbst bei der Arbeit direkt auf der lokalen Maschine manchmal irritierend lang. Ein weiteres Problem kann je nach Arbeitsumgebung sein, dass die Webseiten offenbar auf eine Bildschirmauflösung von mindestens 1024 x 768 optimiert sind.

Natürlich benötigt die Suite auch ein wenig Software auf den Clientsystemen. Glücklicherweise erkennt das Produkt die am Netzwerk angeschlossenen Computer automatisch und installiert auch sofort den notwendigen Altiris-Agenten. Die erkannten Computer und Netzwerkgeräte ordnet die Suite in so genannte Computersammlungen beziehungsweise Netzwerk-Gerätesammlungen ein. Computersammlungen gruppieren Computer auf Basis bestimmter Eigenschaften. So gibt es beispielsweise Sammlungen, die alle Computer, alle 32-Bit-Windows-Computer, alle Package-Server, alle Windows-Computer oder alle NT-/2000-/XT/2003-Computer enthalten. Sammlungen existieren ferner für Macintosh- und mobile Computer. Der Administrator kann eigene Sammlungen erzeugen. Dies muss er sogar tun, wenn er Software an Computer verteilen möchte, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Wenn er beispielsweise vorher prüfen möchte, ob die Computer genügend freien Festplattenspeicher und ausreichend Hauptspeicher besitzen. Eine neue Sammlung zu erzeugen, ist nicht besonders schwer – erfahrene Administratoren können zur Abfrage der gewünschten Informationen auch eine SQL-Query schreiben. Besser wäre es aber vielleicht, eine solche Abfrage als Teil der Zielauswahl während der Erzeugung der Software-Delivery-Aufgabe durchführen zu können.

Ein Assistent vereinfacht die Aufgabe
Eine Software-Delivery-Aufgabe erzeugt der Administrator folgendermaßen:  Er selektiert in der Konsole unter »Aufgaben« den Punkt »Software-Delivery-Aufgabe« und anschließend »Assistent und Status«. Nun kann er eine bereits existierende Aufgabe zur Bearbeitung selektieren oder mit einem Klick auf die Schaltfläche »Software-Delivery-Assistent ausführen« einen Assistenten für die Erzeugung der neuen Aufgabe starten. Der Assistent fragt zunächst, ob der Administrator ein bereits existierendes Softwarepaket ausliefern oder ein neues Softwarepaket erstellen und anschließend ausliefern möchte.

Im ersten Fall selektiert der Administrator das gewünschte Paket und klickt auf »Weiter«, im zweiten Fall gibt er einige Informationen zur Paketquelle und zum Paketverzeichnis ein. Der Zugriff auf ein Paket ist über ein lokales Verzeichnis auf dem Notification-Server-Computer, über einen vorhandenen UNC-Pfad oder über einen URL möglich. Um Dateileichen vorzubeugen, kann der Administrator gleich einstellen, dass das Programm unbenutzte Paketdateien nach einer bestimmten Zeitspanne automatisch vom Client löscht. Nun trägt der Administrator noch ein, welches Programm des Pakets auf den Clients auszuführen ist und klickt dann auf »Weiter«. Um MSI-Pakete zu installieren, trägt der Verwalter als Programm Msiexec.Exe, gefolgt von den notwendigen Informationen (MSI-Dateiname), ein. Auf ähnliche Art und Weise lassen sich auch Scriptdateien ausführen.

Auf der zweiten Seite des Assistenten sind einige zusätzliche Programminformationen einzugeben, beispielsweise ob das Systemkonto oder der angemeldete Benutzer Ausführungsrechte hat, ob das Programm unabhängig von der Benutzeranmeldung oder nur bei an- oder abgemeldetem Benutzer ausgeführt werden darf, ob Eingaben von Seiten des Benutzers notwendig sind, und ob der Computer nach der Installation neu zu starten ist. Es folgen einige Programmausführungseigenschaften, darunter das zu verwendende Arbeitsverzeichnis, Erfolgs- und Fehlercodes, geschätzter Speicherplatz und geschätzte Laufzeit.

Auf der dritten Seite des Assistenten folgt dann die Auswahl der Ziele, also der Computersammlungen, und des Ausführungszeitpunkts. Eine Ausführung ist manuell oder nach Zeitplan möglich. Zur festgelegten Zeit kann der Server Computer starten (Wake-on-LAN) und/oder alle Computer sofort über die neue Aufgabe benachrichtigen. Der Administrator legt fest, ob die Benutzer benachrichtigt werden, sobald die Aufgabe verfügbar ist, ob die Benutzer diese Aufgabe sofort ausführen können, ob die Benutzer vor einer (erzwungenen) Ausführung der Aufgabe benachrichtigt werden und ob die Aufgabe nach erfolgreicher Installation entfernt werden soll.

Nun folgen noch einige optionale Angaben zum Paket-Zielspeicherort auf Package-Servern, zum Herunterladen und Ausführen von Aufgaben sowie Benutzerrollen- und Sicherheitsoptionen. Die Art der Aufgabenausführung lässt sich der verfügbaren Bandbreite anpassen. Steht beispielsweise eine vom Administrator vorgegebene Mindestbandbreite zur Verfügung, kann die Aufgabe vom Server aus ausgeführt werden, andernfalls wird sie auf die Clients heruntergeladen und lokal ausgeführt. Eine Verteilung als Multicast-Paket ist ebenfalls möglich. Mit einem abschließenden Klick auf »Fertig stellen« ist die Sache dann erledigt.

Eine Software-Delivery-Aufgabe lässt sich natürlich auch ohne Assistenten erzeugen. In diesem Fall ist aber auf ein bereits existierendes Paket zurückzugreifen, dass der Administrator zuvor entweder mit dem Assistenten oder innerhalb der Konsole unter dem Punkt »Ressourcen« erzeugt hat. Die Erzeugung eines Pakets unter »Ressourcen« erlaubt dem Administrator, das Paket dem Softwareportal hinzuzufügen. Beim Softwareportal handelt es sich um eine Webseite, die ausgewählten Benutzern präsentiert wird, die dadurch die Möglichkeit erhalten, die auf der Webseite aufgelistete Software herunterzuladen und zu installieren. Mit auf Rollen basierender Sicherheit kann der Administrator festlegen, wer die Software sehen und wer sie installieren kann oder für welche Software eine Genehmigung durch den Administrator beantragt werden muss.

Mit einer Software-Delivery-Aufgabe lässt sich eine einzelne Anwendung verteilen. Sind gleich mehrere Pakete zu verteilen, erzeugt der Administrator dafür eine so genannte sequenzielle Software-Delivery-Aufgabe. Dabei kann er die Reihenfolge der zu verteilenden Aufgaben festlegen und Bedingungen definieren, die erfüllt sein müssen, damit die jeweilige Aufgabe ausgeführt wird.

Das Programm erzeugt automatisch Prüfpunkte, die die Wiederaufnahme eines Paketdownloads nach einem Fehler, beispielsweise dem Absturz des Zielcomputers, erlauben. Dies wurde getestet, indem während eines Downloads der Zielcomputer ausgeschaltet wurde. Ändert sich eine in einem Paket vorhandene Datei, erkennt der Notification-Server diese automatisch und informiert daraufhin die entsprechenden Altiris-Agenten. Diese laden dann die geänderten Dateien herunter.

Neben der Software-Delivery kennt die Suite auch die Softwaremigration. Der Software-Migrationsassistent erstellt Aufgaben, die Anwendungen identifizieren, die auf einem oder mehreren Quellcomputern installiert sind. Daraus lassen sich Software-Delivery-Pakete erzeugen, die dann an einen oder mehrere Zielcomputer verteilt werden.

Im Test wurde unter anderem Microsoft-Visio erfolgreich an eine Auswahl von Windows-Clients verteilt. Die Verteilung von Software ist eine Sache, die Deinstallation eine andere. Leider ließ sich keine Funktion entdecken, mit der sich eine erfolgreiche Softwareverteilung hätte zurücksetzen lassen.

Fazit
Altiris täte gut daran, die Konsolen zu überarbeiten, damit das Laden verschiedener Webseiten keine halbe Ewigkeit mehr dauert und sich die Konsolen auch nutzen lassen, wenn die Bildschirmauflösung weniger als 1024 x 768 beträgt. Zum Testzeitpunkt funktionierten zwar alle getesteten Funktionen wie vorgesehen, aber Freude kam bei der Arbeit mit dem Produkt nicht auf. Die Suite ist recht komplex und die Navigation auf der Konsole mühsam. Als Plattform für den Altiris-Notification- und Package-Server diente ein Windows-2003-Server mit Intel-Pentium-4-Prozessor (2,67 GHz), 1 GByte RAM und rund 30 GByte freiem Festplattenspeicher. Wer bereits andere Solutions von Altiris nutzt, wird den Notification-Server bereits haben – in diesem Fall ist die Software-Delivery-Solution die optimale Ergänzung.    

dj@networkcomputing.de

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