In den Real-World Labs: FC-Systeme der unteren Preiskategorie:
Network-Computing-Test: Fibre-Channel-Storage-Systeme für Einsteiger
(Fortsetzung des Artikels von Seite 3)
IBM DS3400: Zügiger Zufall
IBM sendet eine DS-3400 zum Test. Das Einstiegsmodell auf Basis von LSI-Hardware fasst zwei Controller und bis zu zwölf SAS- oder S-ATA-Laufwerke. Auch hier darf der Anwender SAS und S-ATA kunterbunt mischen.
Die FC-Controller arbeiten mit einem eingeschränkten Active-Active-Failover-Verfahren. Jede LUN wird zunächst exklusiv einem Controller zugeteilt und ist auch nur über diesen ansprechbar. Dabei weist das System die neuen logischen Disks einfach wechselweise dem Controller 1 oder 2 zu und erreicht damit ein rudimentäres statisches Load-Balancing.
Der Preis-Leistungssieger: Das DS3400 von IBM kostet rund 10.300 Euro.
Sollte ein Controller jedoch ausfallen, übernimmt der zweite Controller alle LUNs. Das Verfahren der AX4 erlaubt im Gegensatz dazu eine höhere Performance, da alle LUNs über vier Ports erreichbar sind. Wie EMC liefert auch IBM die passende MPIO-Software für Windows und Linux-Systeme mit. In der Regel verfügen die Systeme wie auch Vmware bereits über die nötigen Multipath-Komponenten.
Unzureichendes Java-Tool
IBM/LSI löst das Problem der Erstinstallation recht elegant. So lange das Speichersystem noch nicht über eine gültige IP-Adresse verfügt, kann der Verwalter es mit der mitgelieferten Java-Management-Applikation über den FC-Port inband verwalten. Stimmt die IP-Adresse, schaltet der Administrator auf Out-of-Band-Management über IP um.
Das Java-Management-Tool gehört zu den Schwächen der DS3400. Die Dialoge sind leider nicht logisch und schlecht zusammenhängend aufgebaut. Der Administrator würde sich eine objektorientierte Struktur wünschen. Die sollte die erstellen LUNs sowie verbundenen Server darstellen und die passenden Einstellungen in Kontextmenüs packen.
Stattdessen teilt das Tool die Konfiguration in vier Menüs auf. Unter »Configure« lassen sich nur neue Zuweisungen erstellen. Bestehende ändert der Verwalter in »Modify«-Menü – das ist etwas verwirrend und umständlich.
Bis zu vier Disk-zu-Host-Deklarationen
Die Lizenz der Maschine erlaubt dem Administrator, vier Storage-Partitionen zu erstellen. Damit sind vier voneinander getrennte Disk-zu-Host-Deklarationen gemeint, nicht etwa die Zahl der Hosts. Eine Gruppe aus fünf Vmware-Servern, die simultan auf zwei LUNs zugreifen kann, zählt demnach nur als eine Partition.
Für den Test sendet IBM eine Maschine mit sechs 146-GByte-SAS-Laufwerken. Diese Konfiguration erreicht gemütliche 170 MByte/s beim Durchsatz-Test – das ist die Hälfte des SAS-Boys.
Der Hersteller LSI optimiert laut eigenen Aussagen die Performance des Systems auf Random-I/O-lastige Zugriffe von mehreren Threads. Der I/O-Test liefert denn auch beeindruckende 30000 Random I/Os pro Sekunde – das ist das Doppelte des SAS-Boys.
SAN-Funktionen wie Snapshots oder Volume-Copies beherrscht die DS3400 nur dann, wenn der Anwender eine zusätzliche Softwarelizenz für diese Dienste erwirbt. Die Testmaschine kommt mit abgeschalteten Features.
Fazit
Die DS3400 stellt sich als Speichersystem mit hoher I/O-Performance dar. Im Gegenzug fallen die Durchsatz-Messungen etwas schwächer aus.
Das System eignet sich daher eher für I/O-lastige Dienste wie Datenbanken als für Applikationen mit großen Datenblöcken wie etwa Vmware. Laut Hersteller lassen sich die LUN-Parameter modifizieren und damit der Durchsatz verbessern – aber nur, wenn der Administrator das Command-Line-Interface nicht scheut.
SAN-Funktionen gibt es gegen Aufpreis. Das Java-GUI ist leider wenig übersichtlich und nicht logisch aufgebaut. Im Gegenzug geht IBM mit einem sehr aggressiven Preis an den Start: Die zum Test vorliegende Konfiguration mit sechs 146-GByte-Laufwerken kostet gerade mal 10.300 Euro.
Resümee des Tests
Der Test liefert einige unerwartete Ergebnisse. Vor allem die extremen Schwankungen in der Performance – 380 gegen 170 MByte/s oder 30000 gegen 15000 I/Os pro Sekunde – hätte Network Computing so nicht erwartet.
Systemverwalter müssen daher vor dem Kauf einer Lösung genau feststellen, auf welche Performance es in der jeweiligen Installation ankommt. Ein Allround-System, das in allen Belangen eine optimale Geschwindigkeit erreicht, gibt es offenbar nicht.
Die simplen Systeme von Nexsan und Maxdata erweisen sich als überraschend leistungsfähig für durchsatzorientierte Applikationen. Für den Einsatz mit kleinen Vmware- oder Exchange-Clustern reichen diese Systeme aus. Auch leisten sie gute Dienste als simples Backend für Virtualisierungs-Appliances wie IP-Stor oder VTL von Falconstor.
Auf der anderen Seite überraschen auch die kleinen Systeme der großen Hersteller, die ihre Geräte sonst nur in Begleitung von Service-Personal anliefern. EMC etwa liefert ein sehr einfach zu bedienendes und vor allem sehr günstiges Allround-System mit grundlegenden SAN-Funktionen und guter Performance – und kassiert dafür den Testsieg.
Auch IBMs DS3400 schneidet gut ab. Das System kann in Sachen Failover-, SAN-Funktionen und Management-GUI nicht ganz mit der AX4 mithalten. Während die Durchsatz-Raten eher enttäuschen, trumpft die DS3400 im Gegenzug mit einer sehr hohen I/O-Performance auf.
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