Network Computing

Mobilfunk / Telekommunikation

Motorola: Aus eins mach zwei

Von: Bernd Reder

Nach monatelangen Kämpfen, speziell mit dem Investor Carl Icahn, hat das Management von Motorola die Waffen gestreckt. Das Unternehmen teilt sich in zwei Firmen auf, die unabhängig voneinander agieren werden.

»Unsere Entscheidung, die Geschäftsbereiche Mobile Devices sowie Broadband and Mobility Solutions zu trennen, basiert auf den Ergebnissen einer Analyse, die unser Managementteam, der Aufsichtsrat und unabhängige Berater durchführten«, so Greg Brown, Präsident und Chief Executive Officer von Motorola.

 

Wann genau die beiden Firmen ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen sollen, ließ Brown offen. Nach Einschätzung von Analysten dürfte dies 2009 der Fall sein.

 


Hat die Aufteilung von Motorola
in zwei Firmen verkündet: Greg
Brown, Präsident und CEO.

 

Im Rahmen einer Telefonkonferenz sagte Greg Brown, man sei bereits auf der Suche nach einem Chef für die Mobilfunksparte. Personalberater halten derzeit  bei Mobilfunkfirmen, Carriern und Herstellern von Netzwerktechnik Ausschau nach geeigneten Kandidaten.

 

Der Entscheidung waren unruhige Monate vorausgegangen. Erst im Januar stellte Motorola den defizitären Mobilfunkbereich zur Disposition. Im vergangenen Geschäftsjahr fuhr die Sparte bei einem Umsatz von rund 19 Milliarden Dollar einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar ein.

 

Mobilgeräte als Verlustbringer

 

Der Bereich Enterprise Mobility Solutions kam dagegen bei einem Umsatz von 7,7 Milliarden Dollar auf einen Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar. Auch die Sparte Home and Networks Mobility erzielte einen Gewinn: Er lag bei rund 710 Millionen Dollar. Der Umsatz betrug 10 Milliarden Dollar.

 

Unklar ist, wie der Mobile-Devices-Bereich aus der Krise geführt werden kann. Er ist für die roten Zahlen bei Motorola verantwortlich. Ein Grund dafür ist, dass Motorola sich den Luxus erlaubt, gleich mehrere Betriebssysteme in seinen Handys und Smartphones einzusetzen: neben einer eigenen Linux-Plattform noch Windows Mobile (etwa beim »Q9«-Smartphone) und Symbian (Rizr Z8). Dadurch hat der Konzern Entwicklungsressourcen über Gebühr belastet. Die Folge: Konkurrenten wie Nokia, Samsung sowie RIM (Blackberry) im Geschäftskunden-Segment haben Motorola überholt.

 

Laut IDC verkaufte Motorola im vierten Quartal 2007 weltweit im Vergleich zum Vorjahr rund 37,8 Prozent weniger Handys. Mit 40,9 Millionen Geräten fiel der Hersteller hinter Samsung auf Platz drei zurück (46,3 Millionen verkaufte Mobiltelefone). Marktführer Nokia konnte im selben Zeitraum 133,5 Millionen Handys und Smartphones absetzen. Auf Platz vier landete Sony-Ericsson mit 30,4 Millionen Systemen.

 

 

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