Network Computing

Konvergenz pusht Online-Collaboration  

Von: Ulrich Kemp

Die Konvergenz von Sprache und Daten über das IP-Protokoll schreitet in den Unternehmen voran. Angesichts dieser Entwicklung machen sich die Entscheider verstärkt Gedanken darüber, ob sie auch Videokonferenzen einsetzen sollen. Zumal solche Konferenzen mit Zusatzfunktionen wie Application- und Document-Sharing, White-Board und Dateitransfer teils zu erheblichen Zeit- und Kosteneinsparungen beitragen.


Online-Collaboration ist mittlerweile soweit gereift, dass die Unternehmen auf einen professionellen Einsatz im engen visuellen Kontakt mit dem Gegenüber bauen können. Als Kommunikationsweg dient das private Intranet oder das öffentliche Internet. Bei Letzterem ist die Synchronität von Sprache, Daten und Video ebenso wie die Vertraulichkeit der Übertragung nicht immer gewährleistet. Anders innerhalb des geschützten Intranet: In diesem Fall stellen auf Provider-Seite das MPLS-VPN (Multi-Protocol-Label-Switching) über dezidierte Verkehrsklassen (CoS = Class-of-Services) und ein logisches privates Kundennetz den Fluss und die Vertraulichkeit der Kommunikationsströme sicher. Für eine störungsfreie Kommunikation auf der gesamten IP-Strecke bis hin zum zentralen Sitzungs-Server tritt eine automatische Fehlerbehebung als Teil des Übertragungsprotokolls in Aktion. Der zentrale Server übernimmt im Rahmen von Online-Collaboration zusätzlich Funktionen wie Logging, Client-Authentisierung und Teilnehmerverwaltung.

Auch mobile Geräte wie Laptops und Smartphones können sich unterwegs in Online-Collaboration einschalten. Vier Einwahldienste stehen für sie zur Verfügung, um Verbindung mit dem zentralen Sitzungs-Server aufzunehmen: ISDN, WLAN, UMTS und Satellit. Das Aufsetzen von Videokonferenzen, beliebig erweiterbar um die eine oder andere Funktion, geht einfach vonstatten. Über Präsenzinformationen, wie sie der Microsoft-Office-Live-Communication-Server bereitstellt, wird automatisch erkannt, über welches Endgerät – PC, Laptop oder Smartphone – der Mitarbeiter gerade erreichbar ist. Daraufhin wird über die Funktion Call-Transfer selbsttätig via IP und der Audio-/Video-Schnittstelle des Endgeräts die Verbindung und Sitzung aufgebaut. Sowohl Zweipunkt- als auch Gruppenkonferenzen mit bis zu zehn Teilnehmern sind möglich. Jeder angemeldete Konferenzteilnehmer – ob am Festnetz oder mobil – kann die Konferenz an- und aufsetzen. Im Konferenzverlauf lassen sich bei Bedarf weitere Teilnehmer anrufen und zuschalten.

Ob sich Online-Collaboration für das Unternehmen lohnt, müssen die Entscheider selbst errechnen. Die zentrale Frage dabei ist, inwieweit über die enge multimediale Zusammenarbeit am Bildschirm oder Display Zeit- und Reisekosten eingespart werden. In diesem Zusammenhang muss das Unternehmen intern klären, welche Aufgaben künftig über Online-Collaboration abgewickelt werden können und bei welchen Aufgaben weiterhin eine persönliche Vor-Ort-Präsenz notwendig ist. Der Umfang und die Entfernungen der Mitarbeiterreisen sind weitere Faktoren, die in die Kalkulation einfließen müssen, um Zeit- und Kosteneinsparungen zu konkretisieren und ins Verhältnis zu den Investitions-, Betriebs- und Übertragungskosten zu setzen. Unternehmen, welche die Konferenzinstallation nicht selbst anschaffen und betreiben wollen, können das komplette Funktionsspektrum mittlerweile bei ersten Providern als Seamless-Video-Collaboration-Dienste (SVC) abrufen und gegebenenfalls gegenüber dem Eigenbetrieb deutliche Einsparungen einfahren. Mit der Installation der Software-Clients und der Teilnehmerregistrierung sind solche SVC-Dienste bereits aktiv.

Der Duftstoff- und Parfümhersteller Drom Fragrances hat sich für eine eigene Campus-Lösung entschieden, dennoch einen Provider mit dem Planen, Installieren und Betreiben beauftragt. Die Parfümeure auf vier Kontinenten komponieren via Videokonferenz die neuen Düfte aus Ölen, die sich aus biologischen und/oder chemischen Rohstoffen zusammensetzen. Das werden in diesem Jahr rund 50000 Düfte sein, die außer in Parfüms in Körper-, Haar- und Gesichtspflegeprodukte, Lufterfrischer, Wasch- und Putzmittel einfließen. Das interaktive Arbeiten an den Rohstoffformeln ist Teil der Sitzung, um sie im engen multimedialen Kontakt in die endgültige Form zu bringen, danach direkt an die Produktion weiterzuleiten. Der Geschäftsführer von Drom Fragrances, Dr. Ferdinand Storp, beziffert, abgesehen vom Zeitgewinn bei den 21 teuren »Supernasen«, die Reisekosteneinsparungen gegenüber zuvor auf mehr als 30 Prozent.

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