Telekommunikation / Mobilfunk:
Was Nokia Siemens Networks mit Nortels Mobilfunksparte vorhat
Für rund 650 Millionen Dollar übernimmt Nokia Siemens Networks (NSN) die Wireless-Division von Nortel Networks. Nun präzisierte NSN seine Planungen im Zusammenhang mit der Neuerwerbung.
Im Gespräch mit unserem Schwester-Portal Unstrung sagte Marc Rouanne, Leiter der Radio-Access-Sparte von NSN, dass das Know-how von Nortel Networks auf dem Gebiet der Mobilfunktechnik LTE (Long Term Evolution) in die Produkte von NSN integriert wird. Konkret geht es um Nortels LTE-Algorithmen und die entsprechende Software.
Bald mit LTE-Technik von Nortel: die Mo-bilfunkbasisstationen
Beides wird in die »Flexi«-Basisstationen von Nokia Siemens Networks Einzug halten. Allerdings hat NSN nicht vor, zwei Familien von LTE-Basisstationen in sein Produktportfolio aufzunehmen. Das bedeutet, die LTE-Plattform von Nortel wird vermutlich nicht weiter unterstützt.
Wann und auf welche Weise die Abkündigung der Nortel-Produkte erfolgen wird, ließ Rouanne offen. Im ersten Quartal kommenden Jahres will NSN erste Systeme für LTE auf den Markt bringen. In diese soll Technik von Nortel einfließen, sprich die erwähnten Algorithmen.
Rund 400 Entwickler kamen von Nortel
Das Know-how stammt von den 400 Entwicklungsingenieuren, die NSN im Zuge der Übernahme der Nortel-Sparte quasi mit »eingekauft« hat. Allerdings haben bereits vor dem Kauf etliche Fachleute Nortel verlassen. Sie suchten sich einen neuen Brötchengeber, als das Unternehmen im Januar Gläubigerschutz beantragte.
Ein weiterer Haken: Nortels LTE-Patente auf den Gebieten Orthogonal Frequency Division Multiple Access (OFDMA) und MIMO (Multiple Input – Multiple Output) waren nicht Bestandteil des Pakets, das NSN für 650 Millionen Dollar erwarb. Speziell dieses Wissen ist jedoch im Zusammenhang mit LTE von großer Bedeutung. Vermutlich wird Nortel die Patente separat anbieten beziehungsweise an dem Meistbietenden abtreten.
Die Flexi-Basisstationen von NSN unterstützen herkömmliche GSM-Mobilfunknetze, außerdem Breitband-Verbindungen über 3G/UMTS und LTE. Mobilfunk-Carrier, die auf Long Term Evolution umstellen möchten, können dies nach Angaben des Herstellers mithilfe eines Software-Upgrades bewerkstelligen.
NSNs Geschäftsführer Simon Beresford-Wylie geht davon aus, dass das Unternehmen bis Ende des Jahres an die 100.000 Basisstationen installieren wird, die für LTE bereit sind. Allerdings zögern derzeit wegen der Wirtschaftsflaute etliche Service-Provider, die neue Technik zu implementieren. In größerem Maßstab dürfte LTE etwa ab 2011 eingeführt werden.
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