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28.02.2008

Test: WLAN-Systeme für Mittelständler:
WLAN-Controller auf dem Prüfstand

von Werner Veith

WLAN-Systeme für den Mittelstand müssen preisgünstig und leicht zu administrieren sein. Trotzdem sollen sie alle notwendigen Funktionen und eine akzeptable Performance mitbringen. Network Computing testete sechs Lösungen nach diesen Kriterien.

Auch für kleine und mittelständische Unternehmen stellt sich die Frage nach der Einrichtung eines Funknetzes. Denn die damit gewonnene Flexibilität hilft auch ihnen. Doch die Lösungen für große Betriebe sind meist zu umfangreich und zu kostspielig. Network Computing fragte daher bei 16 WLAN-Herstellern nach Infrastrukturlösungen mit Wireless-Controller zu einem akzeptablen Preis.

Wichtige Kriterien waren weiter eine einfache Verwaltung, entsprechende Sicherheitsfunktionen und eine leichte Installation. Die Systeme sollten zudem ein Basisset der Funktionen in unternehmensweiten WLAN-Lösungen mitbringen.

Die Tests fanden in den Syracuse University Real-World Labs statt. Bluesocket schickte ihren »BSC-600«, D-Link den »DWS-3227P« und Motorola den »WS5100«. Von Netgear kam der »WFS709TP«, von Ruckus Wireless der »Zone Director 1000«, und 3Com lieferte den »Unified Wireless Switch« mit 24 Ports.

Aerohive, Aruba, Trapeze und Xirrus lehnten eine Teilnahme ab: Sie würden den SMB-Markt (Small-And-Medium-Business) nicht adressieren. Cisco Systems, HP und Siemens gaben an, dass sich ihre Produkte gerade zwischen zwei Entwicklungszyklen befänden. Meru wiederum sagte, dass ihr die Ressourcen fehlten, um den Evaluierungsprozess zu begleiten. Die Lösung von Lancom wird Network Computing zu einem späteren Zeitpunkt nachtesten.

Management über zentralen Controller

Network Computing bat die Hersteller, Systeme zu schicken, die sich mit Hilfe von zentralen Controllern mehrere APs konfigurieren und verwalten lassen. Diese sollten zudem Power-over-Ethernet (PoE) unterstützen. Bei der physikalischen Ausstattung unterschieden sich die gelieferten Controller deutlich voneinander. Die Lösungen von 3Com und D-Link besaßen 24 Gigabit-Ports inklusive PoE.

Hinzu kamen Managementfunktionen für den drahtgebundenen Teil, die einem Etagen-Switch (Network-Edge) entsprechen. Bluesocket brachte vier und Netgear acht PoE-Ports mit. Integriertes PoE erspart den Einsatz zusätzlicher Strom-Injektoren. Allerdings lassen sich die meisten APs auch über eine herkömmliche Stromquelle versorgen.

Auf der anderen Seite des Controller-Spektrums stehen Ruckus und Motorola. Sie arbeiten als reine Overlay-Lösung. Beide Geräte kommen mit zwei Gigabit-Ethernet-Interfaces. D-Links Lösung enthält zusätzlich einen XFP-Slot (10-Gigabit-Small-Form-Factor-Pluggable).

Außer Ruckus hatten sämtliche Testteilnehmer auch Dual-Band-APs mit 802.11a/b/g im Programm. Zudem lassen sich bei allen APs auch externe Antennen verwenden. Dies ist für die Ausleuchtung in schwierigen Einsatzszenerien wie Lagern oder Industriebereichen von Bedeutung.

Große Unterschiede beim Durchsatz

Der wichtigste Punkt bei einer WLAN-Lösung ist sicher die Performance. Dazu gehören ein hoher Durchsatz, eine berechenbare Abdeckung und zuverlässige Verbindungen. Um diesen Aspekt zu bewerten, testete Network Computing den Durchsatz einmal in einem von Funkwellen abgeschirmten sowie einem lagerähnlichem Bereich.

Auf kurzer Distanz (1,5 m bis 4,6 m) ergaben sich wenig Unterschiede. Die Abweichungen in der Performance nahmen aber mit zunehmender Entfernung deutlich zu. Auf einer mittleren Strecke (23 m bis 33,5 m) lag die durchschnittliche Bandbreite zwischen 13 und 18 MBit/s. Dabei lag D-Link allerdings mehr als 50 Prozent unter dem Durchschnitt.

Unter extremen Bedingungen mit verschiedenen Wänden mit hoher Dämpfung ergaben Werte zwischen 0,5 und 2 MBit/s. Nicht immer kam hier auch eine Verbindung zu Stande. Die Entfernung betrug dabei zwischen 40 m und 45,7 m.

Ruckus setzte die Messlatte in nahezu jeder Testsituation. Besonders stach die Lösung aber bei den großen Distanzen hervor. Hier lag die Bandbreite deutlich im Megabitbereich, während andere Systeme zum Teil nicht einmal eine Verbindung herstellen konnten.

Dies bedeutet, dass sich mit einer Ruckus-Implementierung mit wenigeren APs eine größere Fläche abdecken lässt als bei anderen. Bei großen Bandbreiten oder hoher Userdichte erlaubt jeder Hersteller im Test ein Mikrozellendesign. Dank der geringeren Sendeleistung der APs lassen sich diese enger platzieren.

Alle Produkte besitzen QoS-Funktionen wie WMM (Wifi-Multimedia) und Priorisierung über 802.1p-Tags. Dies ist wichtig in Hinsicht auf Datenverkehr wie Video oder Sprache. Roaming auf Netzwerkebene 2, also zwischen zwei APs im gleichen Subnetz, unterstützt jeder Hersteller im Test. Außer 3Com und Ruckus ermöglichte jeder auch Roaming auf Ebene 3. Dies ist allerdings nur für größere Campusinstallation notwendig. Innerhalb eines Gebäudes ist dies keine Anforderung.

3Com Unified Wireless Switch

Für die Anfangskonfiguration liefert 3Com einen Web-Wizard, der bei IP-Adressierung, Systeminformationen und der grundlegenden SSID-Konfiguration (Service-Set-ID, WLAN-Name) half. Für die Steuerung durch den Controller musste jeder AP in den »Managed Mode« versetzt werden. Dieses ist notwendig, weil sich 3Coms APs auch einzeln betreiben lassen.

Mit dem »Wireless Infrastruktur Device Manager« erfolgte die Konvertierung automatisch. Für normale Routineaufgaben, wie einen AP oder eine SSID hinzufügen, ist das Interface passend. Alles in allem lag die Lösung bei der Eingängigkeit der Bedienung mit den anderen Testsystemen gleichauf.

Zusätzlich zu den WLAN-Sicherheitsfunktionen bietet der Switch auch für die Ethernet-Ports Authentifizierung per 802.1x an. Außerdem gibt es ein einfaches AP-Load-Balancing. Anwender, die umfangreichere Funktionen und Ausbaufähigkeit benötigen, verweist 3Com auf die teureren WX-Serie-Controller für einen unternehmensweiten Einsatz.

Der Switch besitzt ein ein1U hohen Gehäuse, mit PoE für alle 24 Gigabit-Ports. Zusätzlich gibt es für Glasfaser vier SFP-Ports (Small-Form-Factor-Pluggable). Hinzu kommen ein vollständiges 802.1Q-VLAN-Tagging und ein Comman-Line-Interface (CLI), das dem von Ciscos IOS entspricht. Damit steht ein vollständig administrierbarer Etagen-Switch (Edge) für die Bedürfnisse eines kleinen oder mittelständischen Unternehmens zur Verfügung.

Die Reichweite des 11b/g-APs lag leicht über dem Durchschnitt der Mitbewerber. Bei kurzer Distanz (4,6 m) war der Durchsatz bei 20 MBit/s, bei weitem Abstand (40 m) noch bei 0,5 MBit/s, so wie bei den anderen auch.

Der Controller kostet 2750 Dollar. Der Preis für den AP mit einem Funkinterface beträgt 249 Dollar. Für zwei Funkschnittstellen fallen 399 Dollar an. Damit ist 3Com bei der Preisszenerie für zehn APs am günstigsten. Falls sich ein Unternehmen für Dual-Radio-APs mit 11a/b/g entscheidet, was Network Computing empfiehlt, steigen die Kosten für den AP um 60 Prozent.

Der Controller unterstützt von Beginn an ohne zusätzliche Kosten 24 APs. Aus preislicher Sicht und ohne Bedarf für Dual-Radio bietet die 3Com-Lösung den größten Wert. Dies liegt an den soliden drahtlosen Funktionen und dem administrierbaren 24-Port-Gigabit-Switch. Das System ermöglicht außerdem einen nahtlosen Zugang für Funk und drahtgebundenes Netz, hilfreich bei einer kleinen Installation.

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