Network Computing

Internet: Online-Werbung

Google-Adsense: Kuckuckseier für die Kunden  

Von: Dr. Matthias Hell (CRN), Bernd Reder

Der Google-Dienst Adsense platziert automatisch passende Werbebanner auf den Internetseiten seiner Kunden – allerdings offensichtlich nicht besonders sorgfältig: So werden Webseiten deutscher Werbekunden unter anderem mit Bannern für ein hierzulande verbotenes Softwareprodukt bestückt.

 

Beim Blick auf seine Internetseite entdeckte ein IT-Dienstleister aus Köln zu seinem Erstaunen ein Werbebanner des für seine Kopierschutz-Knacker bekannten Softwareherstellers Slysoft.

 

 

Der Webseiten-Betreiber wusste allerdings, dass das Setzen von Links auf die Seite beziehungsweise die Produkte von Slysoft in Deutschland verboten ist. Die Werbung wurde auf der Internetseite durch den von dem Kölner genutzten Google-Dienst Adsense platziert.

 

Da sich die Einblendung des hierzulande illegalen Werbebanners nicht unterbinden ließ, blieb dem IT-Dienstleister schließlich keine andere Wahl als den Adsense-Code von seiner Seite zu entfernen.

 

Wie Rechtsanwalt Udo Vetter von der Düsseldorfer Kanzlei Vetter & Mertens erklärt, kann das Vorgehen von Google für die Adsense-Kunden erhebliche finanzielle Auswirkungen haben: »Die Übernahme von Google-Anzeigen entbindet den jeweiligen Seitenbetreiber nicht von seiner Verantwortung für die Inhalte auf seiner Seite«.

 

In der Konsequenz bestehe gegen den Seitenbetreiber ein zivilrechtlicher Anspruch auf Unterlassung. Dieser könne von den Rechteinhabern ausgeübt werden, wie etwa der Film- und Musikindustrie. Im Falle einer Abmahnung könne ein einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro fällig werden, so der Düsseldorfer Anwalt.

 

Google-Pressesprecher Stefan Keuchel zeigte sich von dem Sachverhalt überrascht: »Wir haben die Angelegenheit unserer Rechtsabteilung übergeben, die sich der Sache nun annehmen wird. Selbstverständlich achten wir die Gesetze eines jeden Landes, im dem Google mit einer Niederlassung vertreten ist - so auch in Deutschland«.

 

Dennoch ist davon auszugehen, dass die fraglichen Werbebanner derzeit nicht nur auf der Internetseite des Kölner IT-Dienstleisters platziert sind und somit für eine ganze Reihe von Adsense-Kunden rechtliche Gefahr droht.

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