Network Computing

x86-64-Server in der Praxis

Generation 64  

Von: Andreas Stolzenberger

Im PC-Server-Segment kann der Itanium aktuell nicht Fuß fassen. Die 64-Bit-Lösung in diesem Bereich lautet x86-64 mit Prozesoren wie dem Opteron von AMD oder neuerdings auch dem »Nocona«-Xeon von Intel. Network Computing testete Systeme und Software für die neue 64-Bit-PC-Server-Generation.

 

 

 

 

Wer im PC-Server-Segment nach oben skaliert, kommt nicht an der x86-64-Plattform vorbei. Schon jetzt laufen die getesteten Systeme kompatibel.

Niemand sollte behaupten, der Itanium sei ein schlechter Prozessor. Dennoch verfehlt sein Design vorerst den breiten Servermarkt und positioniert sich im Highend-Unix- und Technical-Computing-Bereich. Intel spendiert seiner ersten 64-Bit-Prozessor-architektur ein komplett neues Innenleben und fordert damit auch neue Betriebssysteme und Anwendungen. Im vergangenen Jahr stellte AMD seine Version einer 64-Bit-CPU vor: Den Opteron mit der x86-64-Architektur, die vollständig rückwärtskompatibel auf der x86-Architektur aufbaut. Dank desErfolgs dieser CPU zieht nun Marktführer Intel nach. Unter dem Namen EMT64 implementiert Intel die x86-64-Architektur in den neuen Xeon-Prozessoren. Spätestens jetzt zeigen sich die Anwender leicht verwirrt: Zwei eigentlich identische 64-Bit-Architekturen für den PC-Servermarkt, daneben den Itanium – und alle arbeiten mit Windows oder Linux. Wer braucht nun eigentlich was, und wo sind den Systemen die Grenzen gesetzt?

Network Computing unterzog in den Real-World Labs Poing verschiedene x86-64-Systeme, sowohl Server als auch Clients, einem ersten Praxistest. In dessen Zentrum stand die Kompatibilität der Rechner zu bestehenden Anwendungen, Peripheriekomponenten und Betriebssystemen sowie erste Test mit 64-Bit-Linux- und Windows-Systemen. Neben Systemen mit Athlon-64, Opteron 1xx, 2xx und 8xx nahm Network Computing dabei auch ein Xeon-64-System unter die Lupe.

Grundlagen der Architektur

x86-Systeme arbeiten mit »CISC«: Dem Complete-Instruction-Set- Computing. Für nahezu jede Operation, sei es Integer- oder Fließkomma-Arithmetik oder Load/Stor-Prozeduren existiert ein eigenes Kommando. Dabei benötigt die CPU eine unterschiedliche Zahl an Taktzyklen, um das jeweilige Kommando abzuarbeiten. Die Kommandos werden dabei nicht am Stück verarbeitet. Eine Pre-Execution-Unit zerlegt die CISC-Kommandos in simplere Unteranweisungen, so genannte µ-Ops. Diese verteilt der Prozessor dann auf mehrere Ausführungseinheiten. Je nach CPU gibt es solche Execution-Units für Load/Stor-Integer- und Fließkomma-Funktionen. Die µ-Ops lassen sich in beliebiger Reihenfolge, also Out-of-Order ausführen. Die Execution-Units lastet diese Verfahren leider nicht zu 100 Prozent aus. Um die Effizienz der Ausführungseinheiten zu erhöhen, hat Intel das Hyper-Threading (HT) eingeführt. Dabei verfügt der Prozessor über zwei Befehls-Pipelines und einen doppelten Registersatz. Die eigentliche Arbeit erledigen jedoch die bestehenden Execution-Units. HT lässt einen Prozessor zum System hin als zwei erscheinen und soll bis zu 30 Prozent Leistungssteigerung bringen. In der Praxis bleiben die HT-Prozessoren unter diesem Wert. Künftig gehen alle Chiphersteller zu CMT über, dem wahren Chip-Multi-Threading, bei dem jede CPU mehrere vollwertige Kerne enthält.

Features: x86-64-Server

Features: x86-64-Motherboards

Je nach Design nutzen diese Cores dann einen eigenen oder einen gemeinsamen L2-Cache.Zum Vergleich: Ein Itanium lädt die Kommandos aus dem Speicher direkt in die parallelen Execution-Units, das bezeichnet Intel als EPIC »Explicit Parallel Instruction Computing«. Dieses Verfahren ähnelt dem von Vector-Prozessoren wie einem NEC-SX-6. Das setzt voraus, dass der Code vom Compiler zuvor optimal parallelisiert wurde – kann dann aber die volle Leistung der Execution-Units nutzen.

Zwischen 32-Bit-AMD-Athlon-Prozessoren und Intel-Pentium-4/Xeon-CPUs bestehen dabei leichte Unterschiede. Die Intel-Prozessoren arbeiten ab Pentium-4 weniger effizient. Sie benötigen etwa 30 Prozent mehr Taktzyklen, um ein Kommando vollständig abzuarbeiten, als bei einem AMD-Prozessor. Ein mit 2 GHz getakteter Athlon entspricht daher von der Leistungsfähigkeit einem mit 3 GHz getakteten Pentium-4 – AMDs »Plus-Rating« für die Typenangabe ist hier durchaus gerechtfertigt.

x86-64 oder nach Intels Namensgebung EMT64 funktioniert genau wie x86 nach CISC. Auch hier werden die Kommandos zerlegt und als µ-Ops den Execution-Unit überantwortet. Der Unterschied zu x86 besteht lediglich darin, dass x86-64 64-Bit-große Register verwendet und zu den regulären x86-Registern einen zweiten Registersatz enthält. Dazu kommen die üblichen Multimedia- und Fließkomma-Register. Intel fügt der EMT-64 noch eine eigene, proprietäre SSE-3-Erweiterung hinzu. Die Adressierung läuft 64-bittig, so dass ein x86-64-Prozessor theoretisch mehrere Petabyte Arbeitsspeicher adressieren kann. Vorerst verdrahten die Hersteller aber nur 36 bis 40 Bit, was nach wie vor für 1 TByte RAM genügt. AMD nutzt eines der logischen hohen Adressbits zudem für ein besonderes Feature, das No-Execute-Flag. Dieses markiert Speicherbereiche, die nur für Daten reserviert sind. In einem NX-Speicherbereich darf die CPU keinen Programmcode ausführen. Damit sollen sich die Betriebssysteme künftig vor Hackerattacken schützen. Viele Angriffe verursachen einen Überlauf eines Pufferspeichers (Buffer-Overflow) und legen dort Virencode ab, der dann ausgeführt wird. Liegt der Puffer in einem NX-Speicherbereich, kann die CPU den Virus/Wurm/Trojaner gar nicht starten. Auch für 32-Bit-Systeme gibt es diese Schutzmaßnahme, auf Grund der wenigen Adressleitungen lässt sich das dann aber nur über Paging realisieren. Windows unterstützt »No-Execute« ab dem Service-Pack 2 für 32- und 64-Bit-Systeme. Verschiedene gehärtete Linux- und BSD-Varianten offerieren diese Funktion schon länger.

Da die x86-64-Architektur alle x86-Befehle übernimmt, arbeiten die Prozessoren vollständig rückwärtskompatibel. Sie benötigen nicht zwangsweise 64-Bit-Betriebssysteme, sondern können bestehende 32-Bit-Versionen betreiben. Damit garantieren die Prozessoren einen sanften Umstieg. Die neuen 64-Bit-Versionen von Linux und Windows liefern zudem die passenden Systembibliotheken, um auch unter 64-Bit-Systemen weiterhin 32-Bit-Code ausführen zu können.

Hyper-Transport gegen FSB

Trotz Code-Kompatibilität unterscheiden sich die 64-Bit-Xeon- und die Opteron-CPUs beim Hardwareaufbau voneinander (siehe Grafik). Intel setzt nach wie vor einen gesharten Front-Side-Bus ein, über den ein bis vier Prozessoren mit dem Memory-Control-Hub (MCH oder Northbridge) kommunizieren. Dieser MCH steuert die Speicherbänke und die I/O-Kanäle. Allerdings trumpft Intel mit der neuesten Technologie auf. Der FSB arbeitet mit logischen 800 MHz Taktrate und liefert 6,4 GByte/s Bandbreite. Der neue MCH »Lindenhurst« für die 64-Bit-Xeons steuert vorerst zwei CPUs, zwei DDR/DDR2-Speicherbänke und bindet die Peripherie über einen bis drei PCI-Express-8x-Ports an.

Der Opteron hingegen integriert das Speicherinterface und steuert das RAM direkt an. Über so genannte Hyper-Transport-Links kommunizieren die CPUs in SMP-Systemen untereinander, ohne FSB und ohne klassische Northbridge. Über einen weiteren HT-Kanal bindet die erste CPU im System einen I/O-Hub an, der über PCI oder PCI-X dann die Peripherie-Komponenten steuert. Alle Opteron-Prozessoren verfügen über drei HT-Kanäle zu je 6,4 GByte/s Bandbreite und zwei DDR-333-Speicherinterfaces. Die Unterschiede zwischen 1xx-, 2xx- und 8xx-Prozessoren macht das Cache-Kohärenzprotokoll aus. Dieses Protokoll benötigen SMP-Systeme, um die Inhalte der Caches zwischen den CPUs abzugleichen. Beim Opteron 2xx arbeitet nur ein HT-Kanal mit Kohärenz, beim 8xx alle drei. Der 1xx kommt ohne das Protokoll und kann daher nur in Uni-Prozessorsystemen arbeiten, während der 2xx Dual-CPU-Systeme und der 8xx Server mit bis zu acht CPUs erlaubt.

Opteron-Systeme fallen auf Grund der Architektur günstiger aus, da die Motherboard-Hersteller simple I/O-Chips einsetzen und auf ein teures Server-Chipset verzichten können. Durch die direkte Anbindung der CPUs zum Speicher fällt die Verdrahtung im Board sehr einfach aus und verzichtet daher auf Board-Designs mit übermäßig vielen Leitungs-Layern. Auch lässt sich der Platz auf dem Board gut nutzen, so dass Hersteller wie Tyan bereits einen 1-HE-Rackserver mit vier Opteron-CPUs anbieten. Durch die dezentrale Speicherarchitektur liefert der Opteron gute Speicherbandbreiten bei geringer Latenz.

Der Xeon profitiert im Gegenzug von den schnellen PCI-Express-Kanälen des MCH und steuert die Peripherie schneller an. Zudem legt Intel Wert auf Sicherheit und versieht alle Busse mit ECC-Fehlerkorrektur.

x86-64-Systeme in der Praxis

Der kleinste x86-64-Prozessor ist AMDs Athlon-64. Diese Workstation-CPU nutzt im Unterschied zum Opteron nur ein einzelnes DDR-Speicherinterface für nicht-registrierten DDR-400-Speicher. In den Tests von Network Computing zeigt sich, dass genau dieses Speicherinterface für reichlich Probleme sorgt, ohne dass daran CPU oder Motherboard schuld wären.

Network Computing installierte einen Athlon-64 3400+ in einem EP-8HDA3+ von Elito Epox. Die ersten Tests mit DDR-400-Billigspeicher scheiterten durch die Bank. Das System lief entweder gar nicht erst über den Speichercheck, oder stürzte sofort während der Installation ab. Nach Rücksprache mit Board- und CPU-Hersteller stellte sich heraus, dass die Schuld wohl dem Speicher zuzuschieben sei. Der im Prozessor integrierte DDR-400-Speichercontroller hält sich sehr streng an die Timing-Vorgaben für DDR-400-Speicher und duldet nur geringe Abweichungen. Das, was man im Handel als billige DDR-400-DIMMs angeboten bekommt, kann mit den offiziellen Timings kaum mithalten und verursacht die Abstürze. Die Gegenprobe gibt den Herstellern Recht. Ein zweiter Anlauf mit Siemens DDR-333-Speichern funktioniert. Dass es auch Standard-Konformen DDR-400-Speicher gibt, zeigt Kingston. Die eiligst bereitgestellten Kingston-Value-RAM-Chips PC3200 arbeiten ohne Schwierigkeiten, sowohl unter 32- als auch unter 64-Bit-Betriebssystemen.

Systeme mit MCH scheinen die Spezifikation deutlich kulanter auszulegen. In einem Intel-Motherboard mit Pentium-4 3,06 GHz und Intel-Chipsatz laufen auch die DDR-400-Billigspeicher ohne jegliche Störungen. Wer sich für Athlon-64-Systeme als Arbeitsstationen interessiert, sollte auf jeden Fall dafür nur Speicherbausteine einsetzen, die der Boardhersteller zertifiziert hat.

Für Server und Workstations eignet sich ohnehin der kleine Opteron 1xx besser. Statt eines einzelnen DDR-400-Speicherinterfaces kommen hier zwei DDR-333-registered-Kanäle zum Einsatz. Damit steigen sowohl der Speicherdurchsatz als auch die – Sicherheit – dafür kosten Registered-Bausteine auch ein bisschen mehr. Network Computing setzte für die Tests einen 2 GHz schnellen Opteron-146 in zwei Boards ein.

Das Tyan-Tomcat-K8S, bereits kurz angetestet in Ausgabe 6-7/2004, nimmt eine CPU und bis zu 8 GByte Speicher auf. Der HT-I/O-Hub AMD-8111 steuert die Legacy-Anschlüsse wie ATA-Ports und einen PCI-Bus mit 33 MHz bei 32-Bit-Breite. Onboard arbeiten zwei 1-GBit/s-Netzwerkinterfaces und die integrierte ATI-Rage-128-Grafikkarte. Dieses Board liefert nur eingeschränkte I/O-Features, eignet sich dafür aber gut für CPU- oder speicherintensive Edge-Aufgaben im LAN. Das K8S leistet als Infrastrukturserver/Appliance für DNS/DHCP, Proxy, VPN-Tunnel und/oder Firewalldienste gute Arbeit.

Für Workstations erreichte uns zudem kurz vor Ende der Tests ein Tyan-Tiger-K8WS. Auch dieses Board arbeitet mit einer Opteron-1xx-CPU, integriert neben dem HT-to-PIC-I/O-Hub AMD 8111 auch noch einen AMD-8151-HT-to-AGP-Controller für die Grafikkarte. Zudem steuert der 8111-Chip die Soundkarte, aber nur ein 1-GBit/s-Netzwerkinterface. Dafür gibt es zwei Firewire-Ports, vier SATA-Kanäle und USB-1.1 sowie 2.0-Anschlüsse. Mit 64-Bit-Kapazität, bis zu 8 GByte Arbeitsspeicher und einer 8x-AGP-Karte lässt sich somit eine professionelle und performante Arbeitsstation zusammenstellen – egal, ob man sie 32- oder 64-bittig betreibt.

Dual-CPU-Server

Das Hauptaugenmerk richtete Network Computing in den Tests jedoch auf die Server, speziell die allseits beliebten Dual-CPU-Maschinen. Das System, das in den Real-World Labs bereits am längsten seinen Test absolviert, ist das A2210 von Celestica. In diesem 1-HE-flachen Rackserver stecken zwei Prozessoren vom Typ 246 mit einer Taktrate von 2 GHz. Das System fasst bis zu 16 GByte Arbeitsspeicher, zwei PCI-X-Karten und zwei SCSI-320-Laufwerke. Die Stromversorgung übernimmt ein 500-W-Netzteil. Der Server basiert auf einem AMD-eigenen Referenzdesign und setzt einen AMD-8131-HT-PCI-X-Tunnel-Chip und den AMD-8111-HT-PCI-I/O-Hub ein. Den SCSI-Controller (LSI 53C1030) sowie die beiden 1-GBit/s-Ethernet-Interfaces (Broadcom BM5704) steuert der PCI-X-Bus. Die Testsausstattung enthält zwei 246er CPUs, 2 GByte Arbeitsspeicher und eine 36-GByte-Ultra-320-SCSI-Platte.

In ersten Tests sorgt der LSI-SCSI-Controller für leichte Probleme, da nicht alle Linux-Distributionen und Windows-Versionen, egal ob 32 oder 64 Bit, einen passenden Treiber parat haben. Die 64-Bit-Version von Fedora-Core-2, die freie Redhat-Distribution, erkennt alle Geräte ohne Probleme. Einen Großteil des Tests absolviert der A2210 jedoch auf einer ganz anderen Plattform, mit großem Erfolg. Network Computing nutzt den Server über Monate hinweg als virtuelle Plattform mit dem »VMWare ESX-Server 2.1«. Da auch dieses System nicht mit dem LSI-SCSI-Controller zurecht kommt, startet Network Computing die Maschine direkt über das SAN von einem 2-GBit/s-FC-HBA vom Typ LSI 7202XP. In verschiedenen Software-Tests etabliert sich der A2210 als Plattform für diverse virtuelle Maschinen mit 32-Bit-Windows-Systemen von Windows-XP über Windows-Server-2003 bis hin zum Small-Business-Server-2003. Parallel dazu laufen auch Netware 6.5 und der Suse-Linux-Enterprise-Server fehlerfrei in Vmware-Umgebungen. Neben dem A2210 setzt Network Computing einen Dual-Xeon-2,8-GHz-Server mit ebenfalls 2 GByte RAM und direkter Anbindung zum SAN ein. Über die Dauer der Testzeit arbeiten beide Systeme stabil, wobei die virtuellen Maschinen auf der Opteron-Plattform ein bisschen zügiger unterwegs sind. Bei wenigen VMs und geringer Systembelastung lassen sich kaum Unterschiede feststellen. Die Performance einzelner VM-Sitzungen bricht beim A2210 jedoch weniger stark als beim Dual-Xeon ein, wenn die virtuellen Systeme unter Last arbeiten.

Fazit: Das Referenz-Dual-Opteron-System hält stabil über einen langen Testzeitraum ohne Ausfälle durch. Die 32-Bit-Kompatibilität lässt keine Wünsche offen, da gängige 32-Bit-Systeme sowohl direkt auf der Maschine als auch in virtuellen Umgebungen arbeiten. Im 32-Bit-Servereinsatz unter Vmware arbeitet das System ein wenig performanter als ein Dual-Xeon-2.8-GHz System und zeigt seine Stärken vor allem unter Last und bei Speicherzugriffen.

Als universelle Spielwiese für alle Arten von Systemen und Applikationen setzt Network Computing ein Dual-Opteron-System mit Tyan-Thunder-K8S Pro ein. Das Board nimmt zwei CPUs vom Typ 2xx und bis zu 16 GByte RAM auf. Für Erweiterungen stehen vier PCI-X- und ein PCI-Steckplatz zur Verfügung. Onboard integriert Tyan zwei 1-GBit/s- (Broadcom) und ein 10/100-MBit/s-Netzwerkinterface (Intel), einen Dual-Channel-SCSI-320-Controller AIC-7902 von Adaptec sowie die ATI-Rage-128-Grafikkarte. Zudem stellt ein Silikon-Image-Chip vier SATA-Ports bereit. Ein PCI-X- oder ein proprietärer Slot nehmen optional eine Zero-Channel-RAID-Karte von Adaptec auf. Wie der A2210 setzt auch Tyan die Chip-Kombination AMD-8131 und AMD-8111 ein.

Das Board arbeitet unter allen 32- und 64-Bit-Systemen auf Anhieb, da sie alle den passenden Treiber für den Adaptec-Controller integrieren. Nur bei den 64-Bit-Windows-Vorab-Versionen hapert es allerdings noch an den Treibern (siehe späteres Kapitel). Als Besonderheit integriert Tyan nicht nur das PXE-Boot-ROM der zwei Broadcom-Gigabit-Interfaces, sondern auch eines für Intels 10/100-MBit/s-Netzwerkkarte. Im Laufe der Tests stellte sich das als wichtiges Feature heraus. Network Computing installierte Linux-Distributionen von einem zentralen PXE-Bootserver unter Linux. Der PXE-Startvorgang über die Gigabit-Interfaces blieb immer wieder hängen, während sich der Server über das Intel-Interface anstandslos installieren ließ. Im Test absolviert das Tyan-Board eine längere Teststrecke als iSCSI-SAN-Server mit einer 32-Bit-Windows-XP-Installation und der San-Melody-Software von Datacore. Auch als Vmware-ESX-Server leistet das Board gute Dienste, speziell da sich das 10/100-MBit/s-LAN-Interface für die Konsole dezidieren lässt und beide Gigabit-Ethernet-Interfaces für virtuelle Maschinen bleiben.

Fazit: Das Tyan-Board Thunder-KS8-Pro offeriert maximale Kompatibilität zu allen Systemen, da es durch die Bank Standard-Komponenten einsetzt, welche die Mehrzahl der getesteten Betriebssysteme anstandslos unterstützt. Es eignet sich für Mittelklasse-Server mit gehobenen Ansprüchen an die CPU-Performance und hohem Speicherausbau.

Ebenfalls als 1-HE-Rackserver liefert IBM den »e325« aus. Das System zielt laut Big Blue in erster Linie auf den Einsatz in Rechenclustern. Der Server stammt zwar von IBM, wird aber vom OEM-Geber Tatung in Holland gefertigt. Das Innenleben des Servers offenbart bekannte Komponenten. Wie bei den anderen Maschinen arbeitet das AMD-Standard-Chipset mit AMD-8131-PCI-X- und AMD-8111-PCI-Bridge für zwei 2xx-Opterons. An der Front finden zwei SCSI-Platten Platz. Der »e325« enthält die üblichen 1-GBit/s-Interfaces von Broadcom, doch im Vergleich zum Tyan-Board haben diese Schnittstellen keinerlei Probleme beim PXE-Boot einer Linux-Distribution. Als SCSI-Adapter setzt IBM auf einen LSI-53C1020. Auch dieses System – ausgerüstet mit zwei 246er-CPUs, 2 GByte RAM und zwei 72-GByte-SCSI-Platten – schlägt sich in den Kompatibilitätstests ohne Mängel, wiederum abgesehen von fehlenden Treibern bei den 64-Bit-Beta-Versionen von Windows. Die Linux-Systeme laufen anstandslos. Den längerfristigen Test muss der »e325« unter dem Windows-2003-Enterprise-Server mit einer Oracle-9-Datenbank bestreiten. Dieses Gespann dient der »eHealth«-Software von Concord als Basis für die LAN-Applikationsüberwachung und für LAN-Performance-Analysen. Auch der »e325« gibt sich im Test keine Blößen und erledigt alle ihm gestellten Aufgaben über einen Testzeitraum von zwei Monaten. Scherz am Rande: Obwohl zwei Opteron-CPUs das System antreiben, klebt IBM das Logo »Intel Xeon inside« wohl aus alter Gewohnheit auf die Maschine.

Guter Start für Nocona

Kurz vor Redaktionsschluss traf auch noch das erste System mit Intels neuem 64-Bit-Xeon-Prozessor ein, der HP-Proliant-DL380-G4. Die Generation 4 des 2-HE-Rackservers stattet HP nun durch die Bank mit 64-Bit-Xeon-Prozessoren aus. Das System fasst zwei Nocona-CPUs und vorerst bis 6 GByte RAM. HP setzt im G4 bereits DDR-2-Speichermodule ein, und da soll es laut Hersteller erst ab Oktober passende 2-GByte-RAM-Chips geben, die einen Speicherausbau bis 12 GByte erlauben. An der Front finden sechs SCSI-Platten Platz, die der vorinstallierte Smart-Array-6i-RAID-Controller steuert. Sehr praktisch hat HP das Thema PCI-Steckplätze gelöst. Die Erweiterungsplätze befinden sich in einem herausnehmbaren Modul. Per Vorgabe erhält der Anwender drei nicht Hot-Swap-fähige PCI-X-Slots, von denen in einem der Smart-Array-Adapter sitzt. Als Option offeriert HP wahlweise ein Modul mit Hot-Swap-PCI-X-Slots oder mit zwei PCI-Express-x4-Steckplätzen. Als Netzwerkschnittstellen setzt HP zwei Gigabit-Interfaces vom Typ NC7782 ein. Für die Stromversorgung sorgen zwei Hot-Swap-fähige Netzteile.

Auf Grund der vielen neuen Komponenten im System liefert HP detaillierte Informationen mit dem Testgerät, welche Treiber vonnöten sind, um das Testsystem überhaupt zum Laufen zu bekommen. Doch die gut gemeinten Ratschläge erweisen sich für den ersten Test überraschenderweise als überflüssig. Die 64-Bit-Version von Fedora-Core 2 liefert alle nötigen Treiber mit, damit sich auf dem Server ein funktionierendes 64-Bit-Linux installieren lässt. Über den PXE-Bootserver der Real-World-Labs richtet Network Computing binnen 15 Minuten einen vollständigen 64-Bit-Linux-Server auf der Maschine ein. Die Distribution erkennt den SCSI-Controller, das Hyper-Threading der CPUs und beide Netzwerkschnittstellen.

Fazit: Für längerfristige Tests steht das System den Real-World Labs noch nicht lange genug zur Verfügung. Doch hinterlässt es einen positiven ersten Eindruck. Neben dem durchdachten Hardware-Ausbau des Systems, das den Umbau von PCI-X auf PCI-Express-Slots erlaubt, überzeugt die uneingeschränkte Kompatibilität zur aktuellen 64-Bit-Version von Fedora-Core 2.

Problematisches Quartett

Für den Test wollte Network Computing eigentlich noch einen Quad-Opteron-Server Tyan-Transport-TX46 unter die Lupe nehmen. In dem 2-HE-Barebone steckt ein Tyan-S4882-Board für vier Opteron-8xxx-CPUs und 32-GByte RAM mit der bekannten Chipsatz-Kombination AMD-8131 und AMD-8111. Allerdings lehnt das Board die vier von AMD gelieferten Opteron-846-CPUs ab. Das BIOS erkennt die Prozessoren nur als 246er-Modelle und verweigert daher die Funktion. Weder ein BIOS-Update noch ein Austauschboard konnte diesen Zustand vor dem Redaktionsschluss ändern. Network Computing wird den Test des Servers in einer der kommenden Ausgaben nachliefern, falls sich die Komponenten doch noch zu einer Kooperation überreden lassen.

64-Bit-Betriebssysteme

Aktuell stehen für die x86-64-Plattform zwei Windows-Beta-Versionen und eine Reihe von Linux-Distributionen bereit. Sowohl die Vorab-Version von Windows-XP als auch das Pre-Release des Windows-2003-Servers arbeiten bereits recht stabil, vorausgesetzt, sie können mit der vorliegenden Hardware umgehen. Aber genau da hakt es bei den Betas noch. Die integrierten Treiber kommen mit den meisten Gigabit-Ethernet-Schnittstellen nicht zurecht und unterstützen auch diverse Plattencontroller wie die LSI-SCSI- oder die Silicom-Image-SATA-Interfaces nicht. Wer 64-Bit-Windows auf der x86-64- oder EMT64-Plattform betreiben möchte, wird sich daher noch bis zu den offiziellen Releases gedulden müssen. Hier hängt es auch davon ab, wie schnell die Hardware-Hersteller zertifizierte 64-Bit-Treiber liefern können.

Anders sieht die Sache bei Linux aus. Die von Network Computing verwendete Distribution Fedora-Core 2 erweist sich hier im höchsten Maße kompatibel. Das 64-Bit-Linux erkennt auf Anhieb die Komponenten aller getesteten Maschinen, selbst die nagelneuen Komponenten des HP-Proliant-DL380-G4 unterstützt diese Distribution vollständig. Da nahezu alle x86-64-Linux-Versionen die gleichen Treiber einsetzen, dürften die Distributionen von Suse oder Mandrake ähnlich problemlos auf den Maschinen arbeiten.

Fazit: Wer in neue PC-Server-Systeme investieren möchte, kann problemlos Opteron- oder Xeon-64-Systeme anschaffen. Die Rückwärtskompatibilität zu bestehenden 32-Bit-Systemen und Anwendungen ist durch die Bank gewährleistet, und auch die Performance der Server stimmt. Wer jetzt schon 64-Bit-Systeme mit ihren enormen Speicherkapazitäten im PC-Server-Bereich benötigt, bekommt mit den aktuellen Linux-Distributionen die passende Plattform. [ ast ]

Network-Computing-Testberichte

Software Guide

Egal welche Art von Software Sie suchen:
Im SoftwareGuide der Network Computing finden Sie detaillierte Informationen und direkte Downloadmöglichkeiten zu mehr als 7500 Softwarelösungen von über 5200 Herstellern.

Klicken Sie hier »

NETEVENTS

NWC UNIVERSITY

Logo Partner

Telonic
Unsere Partner: