Network Computing

Ausfälle möglich

Cloud-Computing-Anwender müssen Strategie überdenken  

Von: Dr. Jakob Jung/Werner Veith

Das ursprüngliche Versprechen von Cloud-Computing, dass Anwendungen im Web ständig verfügbar sind, erweist sich immer mehr als Illusion. Unternehmen sollten sich gegen Ausfälle stärker absichern.

Allein in der vergangenen Woche ist Googles Gmail mehrere Stunden ausgefallen. Ein Update von Apples »MobileMe« sorgte für Ärger und Citrix »GotoMeeting« war einige Zeit nicht erreichbar. »Ausfälle sind Realität«, gibt Tim O'Brien, Director of Platform-Strategy bei Microsoft zu. Microsoft, Amazon und Google seien alle vertrauenswürdige Unternehmen. Aber auch sie könnten nicht ausschließen, dass es zu Störungen komme. Mit den damit verbundenen Risiken müssen die Kunden leben und sich darauf einstellen. Eine mögliche Strategie ist es, sich nicht auf einen Cloud-Anbieter zu verlassen. Stattdessen mietet ein Unternehmen Dienste bei mehreren Herstellern und sichert so oft wie möglich die Daten auf einem lokalen Server.

 


In der letzten Woche
ist Googles Gmail meh-
rere Wochen ausgefallen.

Einen Dienstleister sollte sich der Anwender genau ansehen. Insbesondere sollten sie sich fragen, ob dessen Server geographisch verteilt sind und wie es in der Vergangenheit mit der Zuverlässigkeit aussieht. CIOs sollten insbesondere Start-Ups einer kritischen Prüfung unterziehen. Es könnte sein, dass bei kleinen Herstellern die Risiken noch größer sind als bei etablierten Herstellern. Beispielsweise hat ein amerikanischer Storage-Dienstleister namens Linkup am 8. August einfach seine Pforten geschlossen und die Kunden im Regen stehen lassen.

 

SLAs kritisch prüfen

Außerdem sollten die IT-Abteilungen ein besonderes Augenmerk auf die Details der Service-Level-Agreements (SLA) haben. In den meisten SLAs gibt es im Standardvertrag keine Garantien für ständige Verfügbarkeit. Bei Salesforce.com muss der Kunde ausdrücklich darauf bestehen, dass eine entsprechende Klausel in die SLA aufgenommen wird. Ebenso gibt es in vielen SLAs zwar Schadenersatz für den Serviceausfall, aber nicht für entgangenen Umsatz. Bei einigen Varianten von gehosteter Software ist im Notfall auch ein Offline-Betrieb möglich.

 

Microsoft hat nie vollständig das Software-as-a-Service-Konzept (SaaS) akzeptiert und ist jetzt in einer besseren Position, Offline-Verfügbarkeit zu gewährleisten. Google und Salesforce bieten zwar auch Offline-Funktionen, die aber nur eingeschränkt nutzbar sind. Eine zusätzliche Sicherheit ist es, wenn das Unternehmen beim Hosting-Provider einen dezidierten Server hat, den es nicht mit anderen Kunden teilen muss. Schließlich sollte man sich fragen, ob es wirklich eine gute Idee ist, geschäftskritische Prozesse der Cloud anzuvertrauen.

 

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