Network Computing

Digitale Konvergenz

Alle für einen  

Von: Stefanie Karl-Mutzbauer

Die drei wichtigsten Kommunikationstechnologien Daten, Sprache und Video wollen künftig wie die drei Musketiere an einem Strang ziehen. Eine solch enge Verbundenheit hat erwiesene Vorteile, birgt aber auch Risiken in sich.

 

 

 

 

 

Mit umsichtiger Planung und einem leistungsfähigen Netzwerk steht der Konvergenz nahezu nichts mehr im Weg.

 

 

Daten, Sprache und Video gemeinsam in einem Netzwerk, getreu nach dem Motto der drei Musketiere »Alle für einen und einer für alle«. So soll die Zukunft der Kommunikationssysteme aussehen. Noch sind es sehr wenige, die dieses schon ihr Eigen nennen. In diesem Jahr übernehmen die konvergenten Technologien sicher nicht die Führung, obwohl sie durchaus das Potenzial dazu haben. Zudem ist ein deutliches Interesse von Unternehmen zu verzeichnen, die derzeit noch mit separaten Netzen für all diese Technologien arbeiten.

 

Unsere amerikanische Schwesterzeitschrift hat eine Leserbefragung durchgeführt. Hier gaben 30 Prozent der Leser an, in diesem Jahr VoIP implementieren zu wollen. 55 Prozent haben noch keine derartigen Pläne. Eine Befragung in Deutschland käme aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem ähnlichen Ergebnis.

 

Diejenigen, die noch ohne Pläne für VoIP sind, gaben allerdings auch an, sie müssten »immer mehr mit immer weniger tun«. Dass IT-Profis immer mehr mit immer weniger Ressourcen erledigen sollen und dennoch nicht in Konvergenz investieren, ist unverständlich. Langfristig bedeutet Konvergenz weniger Kosten – nicht weniger Leistungsfähigkeit. Der Preis der Installation amortisiert sich, und auch die Qualität der Übertragung ist gewährleistet. Voice- und Video-Pakete leiden nicht, wenn ausreichend Bandbreite und ausgeklügelte Quality-of-Service-Strategien (QoS) vorhanden sind. Darüber hinaus profitiert das Unternehmen von geringeren Telekommunikations- und Geschäftskosten.

 

Die Vorteile

 

Wenn mehrere Kommunikationsdienste auf einer Leitung laufen, muss eben auch nur eine Leitung verwaltet werden. Das mindert den Aufwand für die Administration und erspart eine Reihe von Investitionen. Hierzu gehören beispielsweise doppelte Ausgaben für serielle Karten an der Schnittstelle zwischen Sprache und Daten.

 

Wer bereits dabei ist, Sprache zu integrieren, sollte überlegen, auch Video mit einzubeziehen. Entsprechende Systeme gibt es für nahezu jeden Geldbeutel und jede Unternehmensgröße. Videokonferenzsysteme machen ein Ende mit qualitativ schlechten Telefonkonferenzen. Der Partner am anderen Ende kommt auch nicht in Versuchung, ein kurzes Spiel zu spielen, während er in einer Konferenzschaltung ist.

 

Die Risiken

 

Natürlich bestehen auch Risiken bei der Transformation von mehreren Netzwerken in nur eins. Jeder Datenmanager kann es bestätigen: Je mehr Pakete über ein Netzwerk laufen, desto höher ist die Gefahr, dass Verluste auftreten und die Übertragungsraten sinken. Verlorene Pakete und lange Verzögerungen führen unweigerlich zu geringerer Zuverlässigkeit und schlechterer Qualität.

 

Um dem entgegenzuwirken, sind QoS-Strategien nötig. Hierzu gehören Methoden wie Diffserv (Differential-Services) und RSVP (Resource-Reservation-Protokoll). Damit lassen sich der Verkehr auf dem Netz regulieren und der Service für Sprache und Video garantieren. Daten sind nicht so zeitempfindlich und leiden nicht, wenn ausreichend Bandbreite vorhanden ist.

 

Ein weiteres Risiko ist das mangelnde Wissen der IT-Mitarbeiter. Sprache und Video im Datennetzwerk sind ihnen möglicherweise unbekannt und müssen erst erlernt werden. In einigen Fällen betreuen diesen Bereich andere Abteilungen. Hier sollen Training und Zusammenarbeit der Beteiligten vorsichtig geplant werden. Auch entsprechende Gelder sind dafür bereitzustellen.

 

Zudem gibt es noch ein Problem mit der Interoperabilität. Nicht alle Produkte arbeiten einwandfrei mit denen anderer Hersteller. Wichtig ist, darauf zu achten, dass der Anbieter sich an Standards hält. Ansonsten kommt es zu einer langfristigen Bindung an einen Hersteller. Zudem drücken Standards die Kosten für die Anwendungsentwickler, da Libraries und Codes von mehreren Applikationen genutzt werden können.

 

Zuerst die Sprache

 

Wer eine neue Telefonanlage braucht, sollte sich in jedem Fall mit VoIP beschäftigen. Besonders in Systemen mit geografisch von einander entfernten Standorten ist VoIP eine Möglichkeit, da es sehr flexibel ist.

 

Die Beschaffung, Installation und der Betrieb einer IP-Anlage sind meist kostengünstiger als die einer entsprechenden konventionellen Telefonanlage. Die Verwaltung ist einfacher, da die Telefone aller Netzwerk-Anwender nun auch zentral gemanaged werden. Zudem ist die IP-Telefonie mit Failover-Features ausgestattet, wenn sie mit anderen Servern zusammenarbeitet.

 

Falls das Unternehmen über ein WAN verfügt, ist dies auch zum Telefonieren mit den Außenstellen nutzbar. Das verringert nicht nur die Kosten, es macht auch unabhängig von einen Drittanbieter. Mit Kompressionstechniken wie G.711, ausgestattet mit Silence-Supression, wiegt die Sprache nicht allzu schwer auf der Bandbreite.

 

Durch das Session-Initiation-Protokoll, kurz SIP, sind auch neue Anwendungen für die Sprache möglich. SIP nutzt ein Peer-to-Peer-Schema, das die Endpunkte mit der Intelligenz ausstattet, Telefonate auszulösen und auf andere Netzwerkdienste zuzugreifen. Allerdings ist hier Vorsicht geboten. Die Interoperabilität ist nicht immer gewährleistet.

 

Im kommenden Desktop-Betriebssystem »Istanbul« von Microsoft soll SIP integriert sein. Microsoft ist seit jeher ein Verfechter von SIP, und verspricht auch die Integration mit Produkten konkurrierender Hersteller.

 

Dann das Contact-Center

 

Konvergente Call-Center nutzen IP-Anwendungen wie CRM und Helpdesk-Software. Das spart Geld, da es nicht mehr notwendig ist, diese Anwendungen separat zu halten. Zu den Schlüsselbestandteilen eines vollständig auf IP basierenden Call-Centers gehören Remote-Access und Integration. Mitarbeiter, die an entfernten Standorten sitzen, können die Gespräche annehmen und über das Unternehmens-WAN weiterleiten, ohne auf die Leitungen der Telefongesellschaft zurückgreifen zu müssen.

 

Bisher haben sich hauptsächlich kleinere und mittelgroße Unternehmen in IP-Call-Center investiert. In größeren Organisationen sind meist bereits entsprechende Service-Abteilungen vorhanden, die mit traditioneller Technologie arbeiten.

 

Videos zeigen

 

Videokonferenzen über IP verringern die Reisehäufigkeit der Mitarbeiter und auch die Kosten für die Übertragung von Sprache und Bildern über ISDN-Leitungen. Neuere Produkte, beispielsweise von Polycom oder Vcon, sind auch auf dem Desktop nutzbar und ersetzen teure und komplexe Geräte, die bisher die Konferenzräume bevölkerten.

 

Bevor jedoch die ISDN-Leitung stillsteht, gilt es einiges zu berücksichtigen. Was die Qualität anbelangt, ist es nicht notwendig, mit vollen 30 Rahmen pro Sekunde zu arbeiten, die beispielsweise bei Fernsehübertragungen notwendig sind. Für Videokonferenzsysteme reichen 10 bis 15 Rahmen pro Sekunde, solange kein Teilnehmer auf dem Tisch tanzt. Mit Kompression kommt man damit auf 128 bis 768 KBit/s für eine auf H.323 basierende Videokonferenz.

 

Wichtig ist, dass ausreichend Bandbreite verfügbar ist, um alle notwendigen Sessions zu unterstützen. Jeder Endpunkt sendet und empfängt mit der gleichen Rate. Wenn die Endpunkte beispielsweise mit 384-KBit/s-Sessions arbeiten, muss diese Bandbreite für die Besprechungspartner vorhanden sein. Falls mit einem Multichannel-Gerät gearbeitet wird, um eine Konferenz mit mehreren Endpunkten abzuhalten, ist hier ebenfalls für ausreichend Kapazität für alle Teilnehmer zu sorgen.

 

Auch Paketverlust ist ein Problem für Video. Selbst ein Prozent resultiert bereits in abgehackter Sprache und ebensolchen Bildern. Mehr als zwei Prozent sind nicht akzeptabel für H.323-Video. Bei der Verzögerung ist Video ähnlich empfindlich. Delays von mehr als 200 Millisekunden sind deutlich spürbar.

 

Hier helfen ebenfalls entsprechende QoS-Strategien. Die verfügbaren Tools sind die gleichen, wie sie auch für VoIP zum Einsatz kommen. Am nützlichsten sind Diffserv, RSVP und Priority-Queueing. Die meisten konvergenten Netzwerke unterstützen alle drei QoS-Varianten.

 

Im Bereich das Videokonferenzsysteme steigt die Konkurrenz. Polycom, Tandberg und Vcon sind bereits in der Branche etabliert, es kommen aber neue Konkurrenten, wie Sony, hinzu. Das wirkt sich positiv auf die Preise aus.

 

Konvergente Kommunikation

 

Unified-Messaging, kurz UM, ist die Verbindung von Voice-Massaging, E-Mail und Fax mit der konventionellen Telefonie. Die Telefonanlage nutzt serielle Line-Karten, um direkt mit Fax-Servern und auf IP basierenden E-Mail-Servern zu kommunizieren. Mit UM lassen sich Mitteilungen von einem Telefon oder einer E-Mail-Anwendung aus holen und auf einen anderen Medium wieder abrufen. Das funktioniert mit Text-zu-Sprache- oder Sprache-zu-Text-Konvertierung, oder indem Voicemail (WAV-Dateien) oder Faxe (Grafikdateien) an eine E-Mail angehängt werden. Durch das Ersetzen einer traditionellen Telefonanlage durch eine IP-Variante, sind die seriellen Karten nicht mehr notwendig, und aus UM wird UC – Unified-Communications.

 

UC in einem konvergenten Netzwerk nutzt existierende IP-Ressourcen und Protokolle wie XML und SIP. Es lässt sich mit LDAP-Directories, Instant-Messaging, Kalender und Kollaborations-Software integrieren. So sind die Vorteile von Presence-Management realisierbar. Mit der Technologie wird der Anwender über eingehende Nachrichten informiert, und diese werden im gewünschten Format, beispielsweise E-Mail, geliefert. Das hört sich zwar nach dem nächsten Verkaufsschlager an, aber UC ist noch sehr teuer Der Preis muss deutlich sinken, bevor sich diese Systeme verbreiten werden.

 

Derzeit sind sie hauptsächlich im oberen Management im Einsatz. Eine Studie der Telecommunications-Industry-Association spricht von 22 Prozent aller Unternehmensangestellten, die mit dieser Technologie arbeiten. Die geringe Akzeptanz hängt auch mit der Komplexität bei der Verteilung der Nachrichten im gesamten Unternehmen zusammen. Fortschritte in der Spracherkennung, der Text-zu-Sprache-Konvertierung und bei auf SIP basierenden Anwendungen bringen die UC-Systeme sicher weiter. Mit hohen Verkaufszahlen ist aber für dieses Jahr noch nicht zu rechnen. [ nwc, ka ]

 

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